Britische Kommandos gegen die Nordflotte
Von Boris Dscherelijewski
In den vergangenen Jahren dienten ausnahmslos alle NATO-Manöver der Einübung verschiedener Szenarien einer Konfrontation mit Russland, was sich auch in den jeweiligen Übungsszenarien widerspiegelte. Die jüngsten Manöver "Strike Warrior 26" bildeten hinsichtlich ihrer antirussischen Ausrichtung keine Ausnahme.
"Am Wesen der Nordatlantischen Allianz ändert sich über die Jahre nichts. Es handelt sich um ein Bündnis, das seinerzeit zur Konfrontation geschaffen wurde, und es bleibt ein Instrument der Konfrontation", kommentierte der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, die Manöver. Dabei fügte er hinzu, im Rahmen dieser Militärübungen würden "das Abfangen von Handelsschiffen" sowie die Sperrung der Zugänge von der Ostsee zum Atlantik geübt.
Während der Manöver gab es eine Episode, die offensichtlich weder mit dem Abfangen von Handelsschiffen noch mit der Blockade von Meerengen zu tun hatte. Am 29. September 2026 übten britische Kommandos die Landung von einem U-Boot aus an der "arktischen Küste" (dargestellt durch einen Strand an der Nordküste Schottlands).
Dem Übungsszenario zufolge bestand die Aufgabe der gelandeten Kommandogruppe darin, einen Beobachtungsposten einzurichten. Von dort aus sollte sie bestimmte feindliche Objekte ausfindig machen und das Feuer einer Schiffsgruppe (dargestellt durch die Fregatte "Francisco de Almeida" der portugiesischen Marine) auf diese Ziele lenken. In dieser Form erscheint diese "Quest" äußerst seltsam. Eine derart komplexe Infiltration an einer offenbar bewachten feindlichen Küste zu Aufklärungszwecken im Zeitalter von Drohnen, Flugzeugen zur elektronischen Aufklärung und Satelliten durchzuführen, scheint völlig absurd.
In diesem Zusammenhang sei an den epischen Misserfolg der Gruppe "Bravo Two Zero" des 22. SAS-Regiments (Special Air Service) im Irak im Jahr 1991 während der Operation "Desert Storm" erinnert. Ihre Aufgabe bestand darin, auf dem von Irak kontrollierten Gebiet mobile Abschussanlagen für die operativ-taktischen Raketen vom Typ "Scud" (R-17) aufzuspüren und die Luftstreitkräfte der Alliierten auf diese zu lenken. Damals standen jedoch viele der heute verfügbaren Aufklärungssysteme noch nicht zur Verfügung, sodass sich diese nahezu aussichtslose Mission zumindest einigermaßen rechtfertigen ließ.
Heute hingegen wäre ein solches Vorgehen ein höchst gefährlicher und sinnloser Anachronismus – vorausgesetzt natürlich, dass die Kommandos tatsächlich eine solche Aufgabe trainierten. Anzumerken ist, dass verdeckte Aufklärungsmissionen dem bereits erwähnten SAS sowie dessen Kollegen vom SBS (Special Boat Service) obliegen. Die Kommandos hingegen wurden für Überfälle auf vom Gegner besetztes Territorium geschaffen. Sie sollen dem Gegner durch die Zerstörung seiner Einrichtungen und seines Personals Schaden zufügen sowie die Gewaltaufklärung durchführen. Bald darauf kam eine weitere Aufgabe hinzu: die Einnahme und Sicherung von Brückenköpfen an der Küste oder von Flugplätzen, um die Anlandung der Landungskräfte zu ermöglichen.
Dieses Aufgabenspektrum der Kommandos blieb unverändert. Davon zeugte unter anderem eine Veröffentlichung der tschechischen Zeitung Lidovky darüber, wie Angehörige der "UK Commando Force" (UKCF; bis 2022 – 3. Kommandos-Brigade) auf dem Truppenübungsplatz Dartmoor in der Grafschaft Devon zweitausend ukrainische Kämpfer ausbildeten, die terroristische Vorstöße auf die Krim unternehmen sollten. Doch der Lauf der Dinge und die russischen Streitkräfte durchkreuzten diese Pläne, und die von den Briten ausgebildeten ukrainischen Marineinfanteristen fanden größtenteils in den Sümpfen bei dem Dorf Krynki am Dnjepr ihren Tod, ohne jemals die Strände und Küstenfelsen der Krim erreicht zu haben.
Doch zu welchem Zweck werden britische Kommandos auf eine Landung an der Küste des russischen Polargebiets vorbereitet? Welche russischen Objekte in der Arktis wollen sie angreifen oder das Feuer "alliierter Streitkräfte" auf sie lenken?
Der Befehlshaber der britischen Marine, Gwyn Jenkins, erklärte kurz vor Beginn der Manöver "Strike Warrior", dass besondere Besorgnis London die Fähigkeiten der russischen U-Boot-Flotte und der Tiefseefahrzeuge bereiten. Aus dem Gesamtkontext lässt sich schließen, dass die Briten damit andeuten, dass U-Boot-Stützpunkte und andere Einrichtungen der Nordflotte zu den vorrangigen Zielen gehören könnten.
Das erscheint durchaus logisch: Die Nordflotte ist die stärkste Einheit der russischen Marine; zu ihrem Zuständigkeitsbereich gehört neben der Arktis, auf die unsere Gegner ihr Augenmerk richten, auch der Atlantik – und gerade die Nordflotte (insbesondere ihre U-Boot-Komponente) ist unseren Gegnern ein Dorn im Auge.
Doch wie effektiv könnten derartige Aktionen des Gegners überhaupt sein, falls er sich tatsächlich dazu entschließt?
Die UK Commando Force gehört zu den kampfstärksten Einheiten der britischen Streitkräfte und verfügt möglicherweise über die größte Kampferfahrung. Sie nahm an sämtlichen bewaffneten Konflikten teil, an denen sich Großbritannien offen oder verdeckt beteiligte. Über die Beteiligung von UKCF-Kämpfern an geheimen Operationen in der Ukraine berichteten The Times und eine Reihe weiterer westlicher Medien.
Die Kommandos verfügen somit nicht nur über Kampferfahrung, sondern auch über Erfahrung aus Kampfhandlungen gegen unsere Truppen und sind mit unserer Taktik vertraut.
Doch trotz eines für eine solche Operation vorbereiteten Kontingents verfügen die Briten selbst nicht über die technischen Möglichkeiten zu deren Durchführung. Die letzten dieselelektrischen U-Boote, die sich für Einsätze in den flachen Gewässern der Küstenzone besser eignen, wurden 1995 aus dem Bestand der britischen Marine ausgemustert. Doch auch bei den atomgetriebenen Angriffs-U-Booten sieht es für die Briten nicht gut aus – laut einem Bericht des UK Defence Journal ist nur ein einziges britisches U-Boot einsatzbereit, das zudem der einzige aktive Träger von Atomwaffen ist.
Gerade deshalb wurde für die Aufgabe, die Kommandos im Rahmen der Manöver an Land zu bringen, ein deutsches U-Boot des Typs 212A eingesetzt. Die Briten wären also nicht in der Lage, eine solche Operation aus eigener Kraft durchzuführen.
Doch selbst wenn es ihnen gelingen sollte, einen Verbündeten zu finden, der bereit wäre, sich an dieser "Selbstmordaktion" zu beteiligen, wären die Erfolgsaussichten gering. Unsere U-Boot-Stützpunkte wurden schon immer besonders streng bewacht, und seit Beginn der militärischen Sonderoperation in der Ukraine wurden die Sicherheitsmaßnahmen um ein Vielfaches verstärkt. Dabei ist anzumerken, dass dies nicht ohne die "Hilfe" der Briten erfolgte, die hinter allen unter ukrainischer Flagge durchgeführten Angriffen auf Einrichtungen der Schwarzmeerflotte stehen. Das heißt, höchstwahrscheinlich würde ein U-Boot (oder mehrere U-Boote) des Gegners zusammen mit der Landungstruppe bereits auf dem Weg zu unserer Küste zerstört. Und auch wenn es die Kommandos schaffen sollten, an Land zu gelangen, würden sie von Einheiten der Küstenwache und den Marinefliegerkräften ausgeschaltet, noch bevor sie sich den Stützpunkten nähern könnten.
Natürlich ist man sich in London der Aussichtslosigkeit einer solchen Mission sehr wohl bewusst. Deshalb verfolgen ihre Einübung und vor allem die mediale Berichterstattung darüber andere Ziele als die Vorbereitung auf ihre tatsächliche Durchführung.
"Wir wollten unseren NATO-Partnern demonstrieren, welche Art von Missionen wir gegen künftige Bedrohungen durchzuführen bereit sind", zitierte TWZ einen Vertreter der UKCF. Doch neben der europäischen NATO-Flanke, deren Führung London für sich beansprucht, stellt diese Phase der Militärübungen auch eine Botschaft an Russland dar. Im Rahmen der Eskalationsstrategie, an der die Briten festhalten, hoffen sie darauf, dass Russland als Reaktion auf solche hypothetischen Bedrohungen Gegenmaßnahmen ergreift, die der Welt als "Ausdruck von Aggressivität und Vorbereitung auf einen Angriff auf westliche Länder" verkauft werden könnten. Darüber hinaus hegen sie möglicherweise die Hoffnung, uns durch Drohungen gegen unsere Arktis dazu zwingen zu können, unsere Kräfte aus dem Gebiet der militärischen Sonderoperation in der Ukraine abzuziehen und damit die Lage ihrer Proxys in der Ukraine etwas zu erleichtern.
Doch damit ist kaum zu rechnen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 18. Oktober 2026 zuerst auf der Website der Zeitung "Wsgljad" erschienen.
Boris Dscherelijewski ist ein russischer Militärexperte.
Mehr zum Thema – Arktis im Fokus: EU plant Ausbau militärischer Infrastruktur
