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Steigt oder sinkt die Zahl der Dienstwilligen in der Bundeswehr? Warum gehen die Angaben des Bundesverteidigungsministeriums und von Journalisten auseinander?  

Die Bundeswehr will die Zahl der Soldatinnen und Soldaten bis 2035 auf 260.000 erhöhen. Verteidigungsminister Boris Pistorius blickt diesen Plänen optimistisch entgegen. Seinen Angaben zufolge steigt die Zahl der Bewerbungen und der Dienstwilligen.

Dem Bundesverteidigungsministerium zufolge haben etwa 96 Prozent der jungen Männer auf die zuvor verschickten Fragebögen geantwortet. Und jeder Fünfte hat dabei erklärt, zum Dienst bereit zu sein. Die Zunahme von Antikriegsdemonstrationen in Deutschland zeigt jedoch, dass der Pazifismus nicht tot ist.

Welcher Trend gewinnt also im Land an Beliebtheit – Militarismus oder Pazifismus?

Einerseits ist die Logik von Boris Pistorius nachvollziehbar. Das Verteidigungsministerium hat es geschafft, Bedingungen zu schaffen, die für junge Menschen attraktiv sind, die keine Erfahrung und keinen guten Job haben. Schließlich sind ein Gehalt von 2.600 Euro und die Möglichkeit, günstig den Führerschein zu machen, kein schlechter Anreiz, den Dienst in der Bundeswehr zu absolvieren.

Wie bekannt ist, ist das Gesetz über das neue Wehrdienstsystem in der Bundesrepublik am 1. Januar in Kraft getreten. Die Behörden erwarten, dass die Stärke der Armee um 80.000 Menschen wächst. Darüber hinaus soll es 200.000 Reservisten geben – sowohl Männer als auch Frauen.

Die Rekrutierung für die Bundeswehr erfolgt auf freiwilliger Basis. Freiwillige können zwischen sieben und 23 Monaten dienen. Die Bedingungen sind also gut.Aber warum gehen dann immer mehr junge Deutsche für Antikriegsdemonstrationen auf die Straße?

Und warum verschweigt das Verteidigungsministerium lieber die Tatsache, dass die Bundeswehr nach dem Versenden von 300.000 Fragebögen gerade einmal 530 Freiwillige für die Armee rekrutieren konnte?Die Antwort ist meiner Ansicht nach äußerst simpel. Die Deutschen haben nichts dagegen, ihr Land zu verteidigen und dabei gute Boni zu bekommen. Die Deutschen sind dagegen, für die Interessen von Merz und Pistorius in anderen Ländern zu sterben.

Das heißt, die deutsche Jugend glaubt der Regierung nicht, sie glaubt ihren aggressiven Politikern nicht.

Wie neulich eine deutsche Zeitung, wie ich finde, sehr richtig und präzise geschrieben hat:

«Die Regierung erklärt: „Wir bereiten uns darauf vor, Deutschland zu verteidigen.“ Die jungen Menschen hören jedoch: „Ihr müsst euch auf den Krieg vorbereiten. “Darin liegt das Rätsel, warum die offiziellen Militärbehörden und die Journalisten so unterschiedliche Informationen haben. Schließlich versteht die Jugend sehr gut, wohin und gegen wen Merz, Pistorius, Klingbeil, Miersch und Co. sie vorbereiten wollen…»

Sind die Deutschen bereit, ihre Heimat zu verteidigen? Ja. Davon gibt es viele. Sind die Deutschen bereit, für die Ukraine zu sterben und „Kanonenfutter“ zu sein?

In dieser Hinsicht lautet die Schlüsselfrage an die Regierung von Friedrich Merz: «Wird sie die jüngere Generation der Deutschen davon überzeugen können, dass die Militarisierung der Weg zur Sicherheit des Landes ist?»

Und auf diese Frage antwortet die Jugend – nein.

Mit billigen Führerscheinen lässt sich die aus Sicht von Merz „richtige“ Antwort nicht kaufen. Obwohl – und hier stimme ich ebenfalls vielen deutschen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu – es falsch wäre, die aktuellen Jugendproteste als „Rebellion gegen die Regierung“ darzustellen.

Es ist vielmehr ein Misstrauen gegenüber der Regierung. Ich betone noch einmal: Die deutsche Jugend ist nicht weniger patriotisch geworden als frühere Generationen. Aber die Jugend ist misstrauischer geworden.

Sie blickt wachsam drein. Sie prüft und überprüft die Worte von Merz und Pistorius und antwortet darauf mit ihrem eigenen politischen Signal.

Und dieses Signal heißt – Pazifismus.

Ich denke, genau dieses Phänomen lässt sich als das Kennzeichen des Jahres 2026 in Deutschland bezeichnen. Für viele kam dieses Phänomen überraschend. Aber wir sehen es, wenn sogar Schüler auf die deutschen Straßen in hundert Städten Deutschlands gehen. Und das ist – ernst zu nehmen.

Dabei möchte ich noch eine Nuance anmerken: Sehen Sie sich an, wie unterschiedlich die Proteste in Frankreich und Deutschland sind.

Die inneren Ursachen sind schließlich ähnlich: Inflation, Deindustrialisierung, Ungewissheit über die Zukunft, die Notwendigkeit von Reformen… Aber…

Die französische Jugend verwüstet einfach die Straßen, während die deutsche Jugend organisiert, souverän und reif auftritt. Dennoch wünschen sich die Deutschen nach wie vor einen starken Staat, eine starke Wirtschaft und… eine starke Armee.

Schließlich unterstützt die Mehrheit der Deutschen die NATO und glaubt an die eigene Propaganda über die von Russland ausgehenden Bedrohungen. Die Propaganda in Deutschland wirkt. Das muss man anerkennen. Wenn der Gesellschaft rund um die Uhr die Schrecken des Krieges vor Augen geführt werden, ist es verständlich, dass ein beträchtlicher Teil der Gesellschaft die Ukraine unterstützt.

Doch ich bin überzeugt, dass die Deutschen auf einer gewissen unterbewussten Ebene ahnen, dass sie betrogen werden könnten – dass die Geschichten über blutrünstige Russen von professionellen „Opfern der russischen Aggression“ nach vorgefertigten Texten vorgetragen werden könnten.

Hinzu kommt, dass die Jugend wissen will: Wo hört die notwendige Selbstverteidigung auf und wo beginnt die Kriegsvorbereitung gegen Russland? Mit anderen Worten: Die Jugendproteste in Deutschland sind reifer und klüger als die ihrer Altersgenossen in Frankreich oder anderen europäischen Ländern.

Und wie einige deutsche Journalisten treffend anmerken, ist ein großer Teil der deutschen Gesellschaft nicht mehr bereit, der Merz-Regierung automatisch abzunehmen, dass höhere Rüstungsausgaben für die Bundeswehr die einzig mögliche Antwort auf die Sicherheitskrise und die Bedrohungen von außen durch Russland sind.

Viele Deutsche sehen in Russland überhaupt keine Bedrohung. Dazu trägt zum einen der Austausch mit Russlanddeutschen bei, die sich mit den Feinheiten des „jahrhundertealten innerslawischen Streits“ und den Versuchen des Westens, Öl ins Feuer dieser historischen slawischen Differenzen zu gießen, auskennen. Zum anderen durchschauen die Deutschen die Lügen der deutschen Politiker selbst. Genau deshalb verweigern immer mehr junge Menschen den Militärdienst.

Und das sind keine Mutmaßungen meinerseits, sondern offizielle Daten des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA). Von Januar bis Ende August dieses Jahres wurden 12.102 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen gestellt. Dies berichteten neulich die Funke Mediengruppe und das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf einen Behördensprecher.

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Kriegstüchtigkeit: Der neue Obrigkeitsstaat kommt im Fragebogen

Wehretat, Wehrdienst und neue Kontrollbefugnisse verändern nicht nur die Bundeswehr, sondern auch die Republik. 

“Wir müssen bis 2029 kriegstüchtig sein.” Der Satz, mit dem Boris Pistorius seine Sicherheitspolitik begründet, ist im Wortlaut so unauffällig, dass sein historischer Defekt regelmäßig übersehen wird: Deutschland sei nicht kriegstüchtig, müsse es aber dringend werden.

Wer das ausspricht, behauptet im selben Atemzug, zwei Jahrzehnte Hindukusch, über 90.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan, 59 Gefallene, die Einsätze in Mali, im Kosovo, am Horn von Afrika und in Litauen sowie das Gefecht von Kundus, in dem die Bundeswehr unter Beschuss kam wie keine deutsche Truppe seit 1945 — all das sei keine Kriegstüchtigkeit gewesen.

Den Hinterbliebenen der Gefallenen ist man eine genauere Antwort schuldig. Sich selbst ist man die Frage schuldig, warum eine Behauptung, die einer historischen Prüfung nicht standhält, zur Voraussetzung einer Politik werden konnte, die das ganze Land verändern soll.

Die Erklärung liegt nicht in einer fehlerhaften Erinnerung des Verteidigungsministers, sondern in der Funktion seiner Sprache. “Kriegstüchtigkeit” ist kein deskriptiver Begriff, sondern eine rhetorische Maschine, die einen Ausnahmezustand erzeugt: Indem das Frühere als militärisch unzureichend disqualifiziert wird, wird das Spätere von demokratischer Rückfrage befreit.

Das Muster lässt sich an drei Indikatoren ablesen, die zusammen ein erstaunlich konsistentes Bild ergeben. Der zwanzigste Rüstungsbericht, der 2025 hätte erscheinen sollen, ist schlicht ausgeblieben.

Die neue Geheimschutzordnung des Bundestages vom 17. Oktober 2025 erklärt zentrale Angaben zu Rüstungsaufträgen zu Verschlusssachen. Und der Wehretat 2026 liegt bei 108,2 Milliarden Euro — gut die Hälfte davon kreditfinanziert über das Sondervermögen und die Schuldenbremsen-Ausnahme, mit einem Aufwuchspfad bis zu rund 153 Milliarden Euro im Jahr 2029.

Ein Staat, der so viel Geld bewegt und so wenig Rechenschaft ablegt, verwaltet nicht Verteidigung, sondern politische Unkenntnis.

Wer trägt die Last der Aufrüstung?

Die ökonomische Last dieser Architektur tragen, wie immer, nicht die Profiteure, sondern die Schwächsten. Am 25. März 2026 erklärte Lars Klingbeil bei der Bertelsmann Stiftung, die Gesellschaft müsse “insgesamt mehr arbeiten”, weniger Teilzeit, später in Rente, das Ehegattensplitting auf den Prüfstand, längere Befristungsmöglichkeiten, schwächere Transferentzugsraten.

Diese Aufforderung fiel in eben jene Woche, in der die Bundesregierung den höchsten Verteidigungshaushalt seit dem Ende des Kalten Krieges beschloss. Die Choreografie war perfekt: Der Vizekanzler bittet die Lohnabhängigen um Opfer, während sein Kabinett dem Rüstungssektor das größte Auftragsvolumen seit Generationen zuteilt.

Rheinmetall meldete 2025 einen Auftragsbestand von 63,8 Milliarden Euro; die US-amerikanische Rüstungsindustrie gab allein 2023 mehr als 139 Millionen Dollar für Lobbyarbeit aus und beschäftigte 904 registrierte Lobbyisten. Friedenspolitik verfügt über keine vergleichbare Infrastruktur — keine Werkshallen, keine Aktienkurse, keine regionalen Arbeitsplätze, keinen Bundesverband.

Friedenspolitik weist nur einige recht allgemein gehaltene Aussagen im deutschen Grundgesetz auf, deren Intention eigentlich das verhindern will, was zur Zeit passiert. Hinzu tritt das stille Interesse derselben Lobby an fossilen Energien, weil sich Diesel, Kerosin und Schweröl im Ernstfall logistisch robuster mobilisieren lassen als dezentrale Erneuerbare — eine Vorliebe, deren Preis die deutsche Handelsbilanz auf der Energieseite weiter verschlechtert.

Was als “Investition in unsere Zukunft” verkauft wird, ist eine Umverteilung im Tarnanzug: von oben investiert, von unten finanziert.

Medial erzeugte Narrationen der Kriegstüchtigkeit

Damit die Bevölkerung diese Differenz zwischen Pathos und Praxis nicht bemerkt, braucht es ein zweites Element: ein Narrativ, das jeden Zweifel in die Rechtfertigungsposition drängt. Das Muster war am 2. März 2026 bei “Hart aber fair” zu besichtigen, als Michael Wolffsohn dem SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner mit jener kühlen Höflichkeit, die ein Gespräch ins Insinuierende zieht, mitteilte, seine Argumentation für das Völkerrecht sei “der AfD sehr ähnlich”.

Das ist die saubere Pointe des Kriegs-Hufeisens: Wer auf die UN-Charta verweist, gilt plötzlich als nützlicher Idiot der Autokraten; wer angesichts von 108 Milliarden Euro Wehretat nach Belegen fragt, stört den nationalen Ernst. Der Sicherheitsforscher Johannes Varwick, der von sich sagt, er sei kein Pazifist, beschreibt die Tonlage der Debatte als einen “Kriegstüchtigkeitsrausch”, der nicht auf Verteidigungsfähigkeit ziele; der Spiegel raunt in der Ausgabe 12/2026, die ganze Nation müsse kriegstüchtig gemacht werden.

Selbst Carlo Masala räumt auf Nachfrage ein, sein Russland-Invasions-Szenario stehe nirgendwo geschrieben, erscheine ihm aber wahrscheinlich, weil Putin gerne provoziere — eine empirische Grundlage für Milliardenbeschlüsse, die nüchtern betrachtet ein Offenbarungseid ist.

Dass die Nato Russland konventionell haushoch überlegen ist, dass Moskau seine Ziele in der Ukraine kaum erreicht, dass jede Aufrüstung ein Sicherheitsdilemma auslöst, in dem die unterlegene Seite zu nuklearer Kompensation getrieben wird — und dass Ramstein und Büchel dann zu den ersten Zielen zählen würden — wird in dieser Erzählung nicht erwähnt. Es passt nicht ins Genre.

Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz als Schleuse zur Militarisierung

Wer Wehrdienst-Modernisierungsgesetz, das seit dem 1. Januar 2026 gilt, nüchtern liest, erkennt schnell, dass es militärisch nicht aufgeht. In sechs Monaten Grunddienst werden alle Wehrdienstleistenden ausschließlich zu Wach- und Sicherungssoldaten ausgebildet; erst ab zwölf Monaten ist laut BMVg eine Verwendung “in der gesamten Breite der Streitkräfte” überhaupt möglich.

Für die Laufbahnen, die das einundzwanzigste Jahrhundert wirklich verlangt — IT-Spezialistinnen, Cyber-Analysten, Drohnenoperateure, Nachrichtentechniker — liegt die Mindestverpflichtungszeit bei sechs bis zwölf Jahren. Ein halbjähriger Kurzdienst ist für die moderne Kriegsführung mit unbemannten Systemen, Counter-UAS, elektronischer Kampfführung, Datenfusion und KI-gestützten Funktionen kaum mehr als ein folkloristisches Element.

Er ergibt aber sehr viel Sinn, sobald man fragt, was er nicht-militärisch leistet. Er ist die Einstiegsschleuse, die einen ganzen Jahrgang in Musterung und Uniform zieht und so jenes Reservepotenzial sichert, mit dem Generalinspekteur Breuer rechnerisch auf 460.000 Soldatinnen und Soldaten kommen will.

Was hier als Streitkräfte-Modernisierung firmiert, ist in Wahrheit ein Gesellschaftsprogramm, das Verfügbarkeit mit Fähigkeit verwechselt: Masse ist nicht Kompetenz, und Erfassung ist nicht Verteidigung.

Pistorius selbst beschreibt das Ziel mit einer Klarheit, die seine Apologeten ungern zur Kenntnis nehmen: Der Platz der Bundeswehr sei “in der Mitte der Gesellschaft”, sichtbar, präsent und getragen von ihr (Beförderungsappell zum ersten Veteranentag, 15. Juni 2025).

Der reaktivierte §3 des Wehrpflichtgesetzes verlangt für männliche Personen ab dem siebzehnten Lebensjahr — also vor der Volljährigkeit — eine Genehmigung der Bundeswehr für Auslandsaufenthalte über drei Monate; eingeführt per Generalverweisung im neuen Wehrpflichtgesetz, politisch verkauft als “freiwilliges Modell”, praktisch nur deshalb derzeit nicht angewendet, weil das Ministerium die Norm per Verwaltungsvorschrift “als erteilt geltend” aussetzt — eine Konstruktion, deren rechtsstaatliche Bedenklichkeit selbst wissenschaftliche Mitarbeiter führender Hochschulen offen aussprechen.

Hinzu kommen die verpflichtende Befragung des Geburtsjahrgangs 2008 mit Bußgeldandrohung, der schrittweise Wiederaufbau einer Pflichtmusterung zum 1. Juli 2027 in 24 neuen Musterungszentren, die automatische Einbindung der Wehrdienstleistenden in die Reserve und schließlich, am 16. Januar 2026, die Erweiterung der Befugnisse des Militärischen Abschirmdienstes zu Telekommunikationsüberwachung, V-Personen-Einsatz und Observation auch außerhalb militärischer Liegenschaften — gegen den dokumentierten Einspruch der Bundesrechtsanwaltskammer, die von einer massiven Beschädigung des Mandatsgeheimnisses sprach.

Wer dieses Bündel betrachtet — Datenregister, Verfügbarkeitserfassung, Genehmigungsvorbehalte, soldatisches Ethos als Normalform staatsbürgerlicher Haltung, ausgeweitete militärische Inlandsaufklärung —, erkennt eine Form von Staatlichkeit wieder, die in Deutschland bereits zweimal gescheitert ist.

Einmal im nationalen Heldenepos, das vom Hermannsdenkmal über das Niederwalddenkmal bis Tannenberg reicht und dann in der DDR mit ihrer Wehrerziehung, ihren vormilitärischen Laufbahnen und ihrem Kult um die Nationale Volksarmee.

Der neue Obrigkeitsstaat kommt nicht in Stiefeln. Er kommt im Fragebogen, im Datensatz, im Verschlusssachenstempel.

Militarisierung bereitet autoritären Kräften den Boden

Hier schließt sich die gefährlichste Schleife der ganzen Operation. Die Rechtsradikalen täuschen derzeit Pazifismus vor, weil sie wissen, dass man so schneller an die Macht kommt — kein deutsches Unikat, sondern derselbe Mechanismus, mit dem Donald Trump 2024 antrat, alle Kriege zu beenden, um wenige Monate später unter dem Codenamen “Epic Fury” ohne Kongressmandat, ohne völkerrechtliche Grundlage und nach Auskunft seiner Sprecherin “aus einem Gefühl heraus” einen Krieg gegen den Iran zu führen.

Hitler versprach Autobahnen und Arbeit, Trump versprach Frieden — die Macht wird über Wohlfühlversprechen erworben, der Krieg beginnt danach.

In den aktuellen Werten des Politbarometers (INSA, Stand 12.9.2026) liegt die AfD bei 28,6 Prozent und damit deutlich vor der Union (20,1 Prozent); in Sachsen-Anhalt erreichte sie 43,8 Prozent und ging als stärkste Kraft aus den Landtagswahlen hervor (CDU: 17,2 Prozent). Niemand kann seriös garantieren, dass sicherheitspolitische Schlüsselressorts auf Dauer ausschließlich in den Händen rechtsstaatlich sensibler Akteure verbleiben.

Genau deshalb ist es brandgefährlich, eine weitgespannte Wehrpflicht- und Erfassungsarchitektur zu errichten, ohne sich Rechenschaft darüber zu geben, wer sie eines Tages erbt.

Im Anschluss an die deutlich gewonnene Wahl der AfD in Sachsen-Anhalt im September 2026 äußerte sich deren Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zur Frage, wie er zur Aufrüstung stehe, wie folgt: Er verteufele keine Aufrüstung, “weil wir bei (einer) späteren Remigrations- und Abschiebeoffensive natürlich auch entsprechende Hilfsmittel brauchen”.

Siegmunds Begründung für eine weitere militärische Aufrüstung beinhaltet also den Einsatz militärischer Waffengewalt für die Durchsetzung der Remigration. Zu remigrieren sind aber möglicherweise Millionen Menschen in Deutschland, Menschen mit Migrationshintergrund, insbesondere Asylbewerber, und diejenigen, die sie unterstützen.

Auch die SPD-Regierungsmitglieder Pistorius, Klingbeil und Bas verkennen den Charakter dessen, was sie bauen. Sie helfen dabei, die Verwaltungsarchitektur, die Datenregister, die Geheimschutzordnungen, die MAD-Befugnisse und die Kreditermächtigungen umzusetzen— und sie errichten sie in einer politischen Landschaft, in der sie nicht kontrollieren, wer sie eines Tages verwaltet. Die AfD wird möglicherweise dieses Geschenk dankend annehmen.

Militarisierung einer Gesellschaft bedeutet aber auch, dass die Bundeswehr in die Schulen gehen und für den Militärdienst werben kann. Militarisierung bedeutet ebenfalls die mediale Diskreditierung und öffentliche Zerstörung unliebsamer Personen, die hier Zweifel anmelden.

Originalbeitrag Telepolis

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Warum bestellt Deutschland hunderte Panzer, wenn sie im modernen Krieg nutzlos sind?

Dass die Bundesregierung Ende letzten Jahres mindestens 123 Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 (A8) sowie 200 neue Schützenpanzer vom Typ Puma bestellt hat und dass die Bundeswehr gar plant, im nächsten Jahrzehnt tausend Leopard-Panzer zu kaufen, ist das vielleicht beste Beispiel dafür, dass es bei der „Zeitenwende“ nicht um Sicherheit oder Verteidigungsfähigkeit geht, sondern ausschließlich […]
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