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Studio in Magdeburg eröffnet: AfD- und BSW-Fraktionen treffen sich privat bei Compact

Von Wladislaw Sankin

Seit dem erfolgreichen AfD- und BSW-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt befindet sich auch das Magazin Compact in der Offensive. Der Chefredakteur Jürgen Elsässer begreift sich und sein Team zunehmend als medialen und politischen Mitgestalter und will die Prozesse in dieser Region Deutschlands aus der nächsten Nähe begleiten. Deswegen kam die Nachricht über die Eröffnung des Compact-Studios in Magdeburg nicht überraschend. Bis dahin drehte er seine Sendungen aus einem improvisierten Studio in seinem Privathaus in Brandenburg nordwestlich von Berlin. 

Überraschend war die Zusammensetzung der eingeladenen Gäste: Neben den schon alten Bekannten Dr. Diether Dehm und Alexander von Bismarck, die in Compact-Formaten schon mehrfach auftraten, kamen nach seinen Angaben auch 20 AfD-Abgeordnete und alle fünf Mitglieder der BSW-Fraktion im Landtag Sachsen-Anhalts zu der Veranstaltung. Diese hat Elsäßer später in seinem Kommentar als Netzwerktreffen zum gemeinsamen Kennenlernen deklariert.

Beide Landesverbände waren prominent vertreten. Vom BSW waren unter anderem die beiden Landesvorsitzenden John Lucas Dittrich und Thomas Schulze sowie die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dr. Claudia Wittig dabei. Schulze gewährte Compact eine Woche zuvor ein ausführliches Interview. Von der AfD waren neben Landtagspräsident Tobias Rausch auch sein Vize Dr. Hans-Thomas Tillschneider und der Fraktionsvorsitzende Oliver Kirchner anwesend.

Auf die Anwesenheit von Rausch legte Elsässer besonderen Wert. Für die Eröffnung des Studios auf Instagram warb der Medienprofi auf Instagram mit einem gemeinsamen Foto ausgerechnet mit Rausch beim Dinner. Am Samstag veröffentlichte Compact-TV mit ihm ein längeres Interview. Dabei trat der bald 70-jährige Compact-Chef dem 35-jährigen Interviewgast nicht nur als wohlwollender Fragesteller gegenüber.

Zunehmend schlüpft Elsässer in die Rolle eines Korrektivs, der sein Wohlwollen vor allem friedenspolitischen Initiativen erteilt. So veranstaltete er beim diesjährigen Compact-Sommerfest eine Podiumsdiskussion zum Thema "Spaltet der Krieg die Patrioten" und sagte, es sei egal, ob die Frage des Friedens zu einer "rechten" Ideologie gehöre oder nicht. Er könne sich im Notfall auch mit einer Linken "vor die Panzer" setzen. 

"Die Friedensfrage hat Eigenständigkeit und ist die Frage, die die Volkseinheit zustande bringen kann, und diese soll man nicht parteipolitisch verkürzen. Wenn morgen die Panzer rollen an die Ostfront und die AfD nicht den Mund aufkriegt und Heidi Reichinnek sagt, wir setzen uns vor die Panzer, dann sage ich, diesmal gehe ich mit Heidi Reichinnek, tut mir leid." (Applaus) 

Ob Elsässer Heidi Reichinnek und die heutige Linkspartei tatsächlich zu den ernstzunehmenden Friedenskräften zählt, sei dahingestellt. Wen Compact aktuell in dieser politischen Rolle sieht, verrät einer der letzten Sendungstitel: "Schröder, AfD+BSW: Was kann das Friedens-Trio bewirken"? Am 8. Oktober ergriff er die Initiative und lud AfD und BSW zum gemeinsamen Dinner ein. 

Nach dem Treffen wählte Elsässer eine gewiefte Medienstrategie. Erst am Tag darauf machte er das private Dinner auf Instagram und YouTube öffentlich und teilte mit seiner Co-Moderatorin Stefanie Elsässer die ersten Eindrücke. Das Hauptthema des ersten Berichts war aber die Rede von Alexander von Bismarck bei dem Compact-Abend. Weiterhin im Zentrum standen mögliche Musikprojekte des wegen seiner Russland-Kontakte "gecancelten" Star-Dirigenten Justus Frantz nach dem AfD‑Sieg in Sachsen-Anhalt.

Damit waren die brisanten Informationen – nämlich dass AfD- und BSW-Landespolitiker einen scheinbar harmonischen Abend gemeinsam verbracht haben und das auch noch bei dem laut Mainstreammedien "rechtsextremen" Magazin Compact – raus. Die Schlagzeilen in den Leitmedien folgten, kurz darauf kamen die ersten Reaktionen der BSW-Spitze im Bund. 

COMPACT feiert in Magdeburg! Die gesamte BSW-Fraktion und große Teile der AfD-Fraktion sind unserer Einladung gefolgt. https://t.co/UDRAxXIiw5

— Dominik Maximilian Reichert (@DomMaxReichert) October 9, 2026

Parteivize Leye: "Es reicht!"

Parteichef Fabio De Masi sah sich bei X zu einer "Klarstellung" veranlasst. Es bleibe "richtig, Anträge in der Sache zu bewerten und eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD zu führen. Dabei darf jedoch nicht der Eindruck der Kumpanei oder einer privilegierten Partnerschaft entstehen." Die AfD bezeichnete De Masi als seinen "politischen Gegner".

Noch zorniger fiel die Reaktion des stellvertretenden Parteichefs Christian Leye in einem gemeinsamen Instagram-Post mit dem Landesverband Nordrhein-Westfalen aus:

"Es reicht! Diese Distanzlosigkeit und Kumpanei mit der AfD müssen ein Ende haben."

Leye betonte, dass zwar nur ein Teil der AfD völkisch sei, aber Ressentiments in der ganzen Partei salonfähig seien. "Wir suchen deshalb die inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD, um sie politisch zu stellen – den Unterschied zu einem netten Abend bei Wein im Querfront-Magazin findet jeder selbst", heißt es in dem Post. Geteilt wurde er unter anderem vom X-Account des bayerischen BSW-Landesverbandes.

Die Hysterie ist zum "Fremdschämen"

Aber die Attacke traf auch auf Gegenwind. So stieß vor allem die Tatsache, dass solche harsche Kritik öffentlich vorgetragen und nicht parteiintern formuliert wurde, sauer auf. Frederick Broßart, Mitglied des niedersächsischen Landesvorstandes, schrieb auf X:

"Wie sich hier einige der Hysterie hergeben, ist schon zum Fremdschämen."

Er stellte sich demonstrativ hinter den Kurs des BSW in Sachsen-Anhalt. "Das sollte der Weg des BSW sein und nicht diese PDL-Pseudo-Politik!", schreibt Broßart. Gemeint war ein Kurs, der dem der Linken ähnlich ist, aus der die Partei per Abspaltung hervorgegangen ist. An der Diskussion in den sozialen Medien beteiligten sich zahlreiche weitere Mitglieder und Sympathisanten der Partei. 

Die bei dem Compact-Treffen anwesende Wittig erklärte bei X, Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten könnten zusammen essen und auch ein Glas Wein trinken. Es sei "nicht verkehrt, wenn die friedliche Koexistenz verschiedener Meinungen auch im Alltag wieder normaler würde". 

"Da wächst was zusammen"

Noch als dieser Artikel geschrieben wurde, erschien auf YouTube die auf Samstag annoncierte Compact-Reportage, die in Bild-Manier titelt: "Skandal-Dinner: AfD & BSW an einem Tisch!" Die Kamera war bemüht, die Atmosphäre des Treffens festzuhalten, die meiste Zeit gehörte aber den Rednern beider Parteien sowie Dr. Diether Dehm und Alexander von Bismarck.

"Wir sind auf dem guten Weg, ein neues Modell zu konstruieren, das es in Deutschland nicht gab, aber was vielleicht zukunftsfähig ist", sagte Tobias Rausch zu einer möglichen Zusammenarbeit mit Abgeordneten anderer Fraktionen. "Wir werden uns wie Erwachsene an einen Tisch setzen und reden", versprach Claudia Wittig. Sie lobte, dass das BSW zusammen mit der AfD eine Resolution zum Ukraine-Krieg zustande bringen konnte. 

"Die Friedensbewegung müssen wir auch auf die Weise zusammenführen. Die darf sich genauso wenig mit Abgrenzerei und Spalterei beschäftigen wie die Politik in den Parlamenten", sagte sie. Friedenspolitik sei auch eine Landesfrage. Sie hoffe, dass andere Parlamente nachziehen. 

Am Ende sagte der Landesvorsitzende John Lucas Dittrich auf die Frage des Compact-Reporters Dominik Reichert, dass das BSW einen respektvollen Umgang mit allen Fraktionen im Landtag pflege. "Die Kollegen von der AfD, aber auch von der SPD, auch von den Grünen merkten, dass wir versuchen, in einem sehr anständigen Ton mit ihnen zu reden", so Dittrich. 

Gastgeber Jürgen Elsässer zeigte sich zufrieden. "Die Atmosphäre war gut, die Chemie hat gestimmt, da wächst schon was zusammen, und dass wir von Compact heute dazu beitragen konnten, das ist eine gute Sache", sagte er. 

Mehr zum Thema - An der Basis präsent – der unsichtbare Erfolg des BSW in Berlin

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Ukraine muss fast 139 Milliarden Dollar an IWF und Weltbank zurückzahlen

Die Ukraine muss bis 2061 fast 139 Milliarden Dollar an den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Weltbank zurückzahlen. Das geht aus den vom ukrainischen Finanzministerium veröffentlichten Schuldendaten hervor. Allein zwischen 2026 und 2061 fallen demnach 32,95 Milliarden Dollar für den Schuldendienst an. Hinzu kommen die Rückzahlungen der aufgenommenen Kredite.

Die Tilgung des eigentlichen Kreditbetrags summiert sich auf rund 105,95 Milliarden Dollar. Darin enthalten sind 60,57 Milliarden Euro, umgerechnet 67,86 Milliarden Dollar, weitere 22,52 Milliarden Dollar sowie 11,51 Milliarden Sonderziehungsrechte des IWF. Letztere entsprechen nach dem in den Berichten verwendeten Umrechnungskurs rund 15,58 Milliarden Dollar.

Die Zahlen verdeutlichen, wie lange die finanziellen Folgen des Krieges und die internationale Kreditfinanzierung die ukrainischen Staatsfinanzen beschäftigen werden. Die ausgewiesenen Beträge erstrecken sich über mehr als drei Jahrzehnte. Sie sind allerdings eine langfristige Projektion der fälligen Zahlungen und keine Prognose darüber, wie viel Geld die Ukraine tatsächlich unter den heutigen Kreditbedingungen zurückzahlen wird.

Denn die Tragfähigkeit der ukrainischen Staatsschulden ist bereits Gegenstand internationaler Umschuldungsverhandlungen. In seinem Länderbericht von 2026 kommt der IWF zu dem Schluss, dass die Verschuldung vor Abschluss der vorgesehenen Umschuldungen nicht nachhaltig ist. Erst weitere Entlastungen, Haushaltsanpassungen und die umfangreiche Finanzierung durch internationale Partner schaffen nach Einschätzung des Fonds eine Grundlage für tragfähige Staatsfinanzen.

Die Risiken sind erheblich. Ende 2025 lag die öffentliche Verschuldung der Ukraine nach Angaben des IWF bei rund 107 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Für 2026 erwartet der Fonds einen weiteren Anstieg auf 111,8 Prozent. Die Prognose hängt wesentlich davon ab, dass die vereinbarten Finanzierungszusagen eingehalten und die Umschuldungen abgeschlossen werden.

Hinzu kommt der Wiederaufbau. Eine gemeinsame Schätzung der ukrainischen Regierung, der Weltbank, der EU-Kommission und der Vereinten Nationen bezifferte den Finanzbedarf für Wiederaufbau und wirtschaftliche Erholung im Februar 2026 auf fast 588 Milliarden Dollar über zehn Jahre. Das entspricht annähernd dem Dreifachen des für 2025 geschätzten nominalen Bruttoinlandsprodukts.

Damit stehen die ukrainischen Staatsfinanzen vor einer langfristigen Doppelbelastung. Das Land muss seine Infrastruktur wiederherstellen und zugleich seine internationalen Gläubiger bedienen. Wie groß der tatsächlich zu leistende Schuldendienst ausfallen wird, hängt von der weiteren Umschuldung, den Kreditbedingungen, der wirtschaftlichen Erholung und der Unterstützung durch ausländische Geldgeber ab.

Mehr zum Thema – NZZ behauptet: Selenskij ist nicht korrupt! Seine Offshore-Firmen? Nur eine Risikoreduzierung

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Realitätsverlust in Medien und Kommentarspalten: Deutschland glaubt, Russland hätte keinen Diesel

Von Igor Malzew

"Ich habe gerade mein Auto für umgerechnet 14.600 Rubel vollgetankt", schreibt mir eine Freundin aus Berlin. Anmerkung der Redaktion: Rückumgerechnet sind es rund 153 Euro. In Moskau würde das Tanken von 70 Litern Diesel aktuell etwas mehr als ein Drittel kosten, etwa 5.600 Rubel. Ja, sie fährt einen Volkswagen Passat 2.0 mit Dieselmotor und einem 70-Liter-Tank – das praktischste Auto unter der breiten Bevölkerung in Deutschland, trotz Elektroautos und der Fülle an chinesischen, unaussprechlichen Marken. "Unsere Chefs sind Idioten, Trump hat ihnen gerade den Rest gegeben."

All das spielt sich vor dem Hintergrund der Diskussion um genau dieses Abkommen ab.

Aber meine Freundin ist in Moskau aufgewachsen, sie versteht die Zusammenhänge. Und dann schlage ich die dortigen Zeitungen auf – Welt, Zeit, Tagesspiegel – so alltäglich wie ein VW Passat – und lese das Interessanteste: die "Meinung des Volkes". Und mir wird klar, dass ich gar nichts verstehe: Der deutsche Leser lebt in einer frei erfundenen Welt.

Es war schon vorher klar, dass das Informationsbild ziemlich verzerrt ist, aber in den deutschen Medien herrscht ein völliger Realitätsverlust. "Die Russen und Trump bluffen. Russland hat keinen eigenen Treibstoff. Sie kaufen Diesel teuer in Indien und verkaufen ihn billig an Amerika" – so lautet der Tenor der Kommentare. Warum soll das so sein? "Die Ukrainer haben in Russland mehr als die Hälfte der Raffinerien zerstört – da kann es bei ihnen gar keinen Diesel geben", "Die Ukraine gewinnt, diese paar Liter Diesel bringen überhaupt nichts, aber Trump ist glücklich". Und weiter: "Trump ist bereit, ein ganzes Land für einen Dieselvorrat von ein paar Tagen zu opfern". Und außerdem isst er Kinder zum Frühstück.

Fassen wir zusammen: Man hat ihnen wirklich eingeredet, dass

a) die Ukraine am Gewinnen ist,
b) der russische Brennstoff- und Energiesektor in Trümmern liegt,
c) Trump ein Mistkerl und Feind ist und
d) man noch mehr Geld in die Ukraine schicken muss, um Berlin zu schützen.

Die wenigen Stimmen der Vernunft – "Warum einigt sich die deutsche Regierung nicht mit den Russen, damit wir den Amerikanern nicht das Dreifache für Gas und alles andere zahlen müssen? Wir hatten doch alles? Warum müssen wir wegen der Ukraine 2,32 Euro für Diesel bezahlen?" – werden sofort als "Kreml-Bots" oder "AfD-Nazis" abgestempelt.

Und niemand stellt oder beantwortet die Frage, warum Merz letzte Woche erneut Geld an das Land gegeben hat, das die Nord-Stream-Pipelines gesprengt hat. Weil sie in einer schizophrenen Realität leben müssen, die ihnen die "öffentlich-rechtlichen" Fernsehsender und "unabhängigen" Zeitungen konstruiert haben. Doch der Organismus wehrt sich unbewusst gegen diesen aufgezwungenen Wahn und lässt den inneren Konflikt in Form von Aggression heraus. Diese Aggression richtet sich gegen Russland. Bingo.

Vielleicht wird eines Tages in Schulbüchern die Rolle der deutschen Medien bei der Auslösung des Dritten Weltkriegs gründlich untersucht werden – falls es noch jemanden gibt, der diese Bücher schreiben kann. Doch heute sehen wir, wie sie für ihr eigenes Volk eine Informationsblase geschaffen haben, in der nicht nur keine anderen Meinungen Platz haben – in der es nicht einmal Platz für objektive Fakten gibt.

Genau zu diesem Zweck wurde Deutschlands Informationsraum so gründlich von jeglicher Präsenz russischer Medien gesäubert – von RT DE und RIA Nowosti bis hin zu privaten Telegram-Kanälen. Genau aus diesem Grund hat Brüssel das "Gesetz zur Bekämpfung von Desinformation" verabschiedet – um das Internet von jeglicher unbequemen Meinung der eigenen Bürger zu säubern.

Erinnern Sie sich daran, wie der Westen zu Zeiten der UdSSR für das "Recht auf Information" gekämpft hat? Er war geradezu der leuchtende, hochmoralische Verfechter der Interessen des einfachen sowjetischen Bürgers – der verfluchte "Sowjetblock" hinderte sie daran, die unbestechlichen, kristallklar ehrlichen Sender Radio Swoboda* und Voice of America* zu hören. Inzwischen hat sich irgendwie alles radikal verändert, und wie sich herausstellt, gibt es gar kein Recht auf Informationsfreiheit, obwohl es in der Liste der Menschenrechte verankert ist. Und die wieder so angesagten Strugazkis mit ihren "Bestrahlungstürmen" wirken gar nicht wie ein Seitenhieb gegen das Zentralfernsehen der UdSSR, sondern wie eine direkte Anklage gegen die aktuellen "moralischen Maßstäbe" Europas.

Doch hier liegt das Problem: Ein moralischer Maßstab ohne billigen Diesel – das gleicht stark der Impotenz. Und ist auch gefährlich: Eine wütende, verdummte Menge lässt sich so leicht an die Ostfront schicken, wie es in der Geschichte schon mal geschehen ist.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel wurde für den Telegram-Kanal "Exklusiv für RT" verfasst.

Igor Malzew ist russischer Schriftsteller, Publizist, Journalist und Autor eines Telegram-Kanals. Seit dem 21. April 2026 wird der regelmäßige RT-Gastautor auf EU-Sanktionslisten geführt – ausschließlich für seine Meinung und seine publizistische Arbeit.

Mehr zum Thema – Kommentar zu Sanktionen gegen Lipp und Röper: Darum hassen sie uns

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CIA-Bewertung sieht Israel in Gefahr eines "inneren Zusammenbruchs"

Von Rainer Rupp

Wenige Wochen vor der Parlamentswahl in Israel liegt nach Angaben zweier US-Veröffentlichungen von Drop Site News und Capital & Empire eine ungewöhnliche Warnung zu Israel auf dem Tisch der amerikanischen Nachrichtendienste. Die US-Nachrichtenseite Drop Site News berichtete am 5. Oktober unter dem Titel "CIA-Bericht warnt, dass Israel auf einen Bürgerkrieg und einen totalen Zusammenbruch zusteuern könnte". Eine angeblich geheime Einschätzung aus der CIA, die dem Nachrichtenportal zugespielt worden sei, habe sogar von einem drohenden "inneren Zusammenbruch" Israels gesprochen.

Die Bewertung der CIA sieht Israel in der Gefahr, in einen offenen inneren Konflikt oder sogar in einen Staatszerfall zu geraten. Die Autoren des Berichts hätten – so Drop Site News – zwar nicht von einer unvermeidlichen Entwicklung in diese Richtung gesprochen, sondern nur von einem "explosiven Cocktail" aus ökonomischem Druck, aus Kriegsgefahren, Streit um die Wehrpflicht und einer Verfassungskrise. Eine der Quellen habe die Lage gegenüber dem Nachrichtenportal wie folgt zusammengefasst: Israel sei "one spark away from real internal conflict", also "einen Funken von einem echten inneren Konflikt entfernt". Auf eine Nachfrage der Redaktion habe die CIA nicht geantwortet, aber auch nichts dementiert.

Drop Site News ist ein von erfahrenen, investigativen Journalisten betriebenes Medium. Die Media Bias/Fact Check Organisation stuft Drop Site News als politisch links ein, misst deren Berichten aber eine hohe Glaubwürdigkeit bei. Die Geschichte verbreitete sich innerhalb von zwei Tagen über Novara Media, Raw Story, TRT, Anadolu, die Tehran Times und weitere Medien. Eine Stellungnahme der CIA dazu gibt es nicht. Auch israelische Regierungsstellen haben sich nicht geäußert.

Das angeblich im August erstellte CIA-Papier trage den Titel "Fracture From Within" ("Bruch von Innen") und stamme aus der "Red Cell"-Abteilung der CIA. Das ist jene Einheit, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 eingerichtet wurde, um herrschende Annahmen zu hinterfragen und blinde Flecken in den dominanten Analysen sichtbar zu machen.

Red-Cell-Produkte dürfen daher nicht mit einer Konsens-Lagebeurteilung der "Agency" verwechselt werden. Sie sollen lediglich Alternativen durchspielen, auch solche, die der Mehrheitsmeinung widersprechen. Genau das macht die jetzt bekannt gewordene Bewertung der innenpolitischen Entwicklungen in Israel so kurz vor den Knessetwahlen am 27. Oktober politisch brisant.

Nach Angaben der Times of Israel und der Jerusalem Post wird die Knesset damit erstmals seit 1988 eine volle Legislaturperiode zu Ende bringen. Israels 37. Regierung, die Ende Dezember 2022 gebildet wurde, wäre die erste seit 1973, die ihre Amtszeit vollständig absolviert hat, und das unter Führung Netanjahus. Umfragen, auf die sich das CIA-Papier stützt, sehen weder das Netanjahu-Lager noch das der zionistischen Opposition sicher bei 61 Sitzen, die für eine Mehrheit in der 120-köpfigen Knesset nötig sind. Die arabischen Parteien und die ultraorthodoxen Listen bilden eigene Blöcke. Eine handlungsfähige Koalition sei damit auch nach dem Wahltag nicht garantiert.

Die Red-Cell-Bewertung bündelt nach Darstellung der Quellen mehrere Spannungslinien, die sich vor der Wahl überlagern.

Erstens: die Wirtschaft

Jahre hoher Militärausgaben und wiederholter Einberufungen von Reservisten, die damit der Wirtschaft entzogen wurden, hätten den binnenwirtschaftlichen Spielraum Israels stark verengt. Lebensmittel, einschließlich frischem Obst und Gemüse, seien in zwei Jahren um 9,5 Prozent teurer geworden. Das sei keine Randnotiz: Die steigenden Lebenshaltungskosten waren schon vor dem 7. Oktober 2023, dem Tag des Hamas-Überfalls, ein zentrales innenpolitisches Thema. Krieg und Mobilmachung haben die Inflation weiter verschärft, ohne dass die Regierung ein überzeugendes Entlastungsprogramm umgesetzt hat.

Zweitens: die Gefahr, die von zurückkehrenden Soldaten ausgeht.

Die Red-Cell-Bewertung beschreibt eine große Zahl schwer bewaffneter Veteranen, viele mit ernsten psychischen Belastungen nach langen Einsätzen in Gaza und an anderen Fronten, die ins zivile Leben zurückkehren. Eine der beiden US-Quellen zog gegenüber Drop Site News einen Vergleich zu den Freikorps der Weimarer Republik: traumatisierte, bewaffnete Männer, deren Gewaltpotenzial die Politik nicht mehr vollständig kontrolliert. Der Vergleich wurde ausdrücklich als Analogie, nicht als Gleichsetzung formuliert. Dies geschieht vor dem Hintergrund einer stark gelockerten Politik über den privaten Waffenbesitz. Seit einer Regeländerung im Jahr 2018 und einer massiven Ausweitung der Waffengenehmigungen nach dem 7. Oktober 2023 dürfen ausgeschiedene Soldaten Sturmgewehre leichter behalten. Ob daraus ein paramilitärisches Milieu wird, sagt der Bericht nicht. Er markiert lediglich das Risiko. 

Drittens: der Wehrpflichtstreit

Ultraorthodoxe Männer sind seit Jahrzehnten weitgehend vom Dienst befreit und beziehen zugleich staatliche Leistungen. Ihre Rabbiner begründen das mit dem Vorrang des (religiösen) Thora-Studiums. Nach wiederholten Einberufungswellen von Reservisten, die Jobs und Familien verlassen mussten, ist diese Ausnahme laut Red Cell zur schärfsten sozialen Bruchlinie in Israel geworden. Die Bewertung nennt sie eine der tiefsten politischen Spaltungen im Land. Koalitionsarithmetik zur Bildung einer neuen Regierung und die Wut der Bevölkerung, die sich auf den Straßen würden in entgegengesetzte Richtung ziehen: Netanjahu brauche die ultraorthodoxen Parteien, die säkulare Mitte Israels empfindet die Wehrdienstbefreiung ultraorthodoxer junger Männer als Ungerechtigkeit.

Viertens: die Siedlergewalt im besetzten Westjordanland

Die Quellen beschreiben eine Eskalation, die das Red-Cell-Papier als innenpolitischen Brandbeschleuniger wertet, nicht nur als Besatzungsproblem. Zusammenstöße zwischen Siedlern, Armee und palästinensischer Bevölkerung erzeugen Bilder, die im In- und Ausland unterschiedlich gesehen und verstanden werden: von Israelis als notwendige Sicherung der Besatzungsmacht und vom Rest der Welt als Kontrollverlust des Staates in Bezug auf brutale, schwer bewaffnete Gewaltextremisten.

Fünftens: Netanjahus Machtkampf

Der Bericht diagnostiziert eine angebliche Verfassungskrise, gespeist aus dem Versuch des Ministerpräsidenten Netanjahu, sich im Amt zu halten. Die Justizreform von 2023, die Massenproteste auslöste und durch den Krieg nur überdeckt wurde, gilt als ungelöst. Ein zentraler Angriff der Opposition zielt auf die Sicherheitsversäumnisse des 7. Oktober, wonach Netanjahu vor dem bevorstehenden Hamas-Überfall gewusst und absichtlich nichts getan habe, um einen Vorwand für seine Politik der ethnischen Säuberung Gazas zu haben. Die Bewertung stellt laut Drop Site News zugleich fest, dass ein großer Teil der zionistischen Opposition Netanjahus brutale Härte gegenüber den Palästinensern nicht infrage stellt, sondern ihre Kritik sich lediglich auf bestimmte Aspekte von Netanjahus Führung des Krieges und dessen innenpolitische Kosten bezieht.

Hinzu kommt die internationale Isolation. Bis zum Frühjahr 2026 sahen nach einer Pew-Umfrage, die von Drop Site News zitiert wird, 60 Prozent der Amerikaner Israel ungünstig, sieben Punkte mehr als im Jahr zuvor. Eine weitere Umfrage im Juli 2026 von Capital & Empire, auf die sich das CIA-Papier beruft, soll sogar besagen, dass offizielle israelische Regierungsvertreter selbst einräumen, dass der US-amerikanische Konsens für die Unterstützung Israels bröckelt und die bisher garantierten milliardenschweren US-Militärhilfen politisch angreifbar werden.

Die Antwort Jerusalems – so Red Cell – sei der Versuch, eine tiefere Verflechtung mit dem Militär, den Geheimdiensten und der Rüstungsindustrie der USA herzustellen und diese zu durchdringen, also Bindungen zu schaffen, die eine künftige US-Regierung nur noch schwerer lösen könnte. Eine der Quellen von Drop Site News sprach von wachsender Frustration im US-Apparat über politisches und reales Kapital, das für ein Land aufgewendet werde, das die USA ausspioniere, das Amerika in einen Krieg gezogen habe, "den wir (USA) verlieren". Das ist die Wertung einer der Quellen und keine belegte Position der CIA.

Red Cell soll auch Folgeszenarien durchgespielt haben, wonach ein einzelner Funke die inneren politischen Spaltungen in einen offenen Konflikt verwandeln könnte. Ausländische Technologie- und KI-Firmen könnten Kapital und Personal abziehen. Außerdem könnten regionale Regierungen eine Normalisierung politisch neu bewerten. Hamas oder Hisbollah könnten eine Phase innerer Schwäche ausnutzen.

Auffällig ist, was die Bewertung nach Darstellung der Quellen ausblendet. Sie beziehe sich im Wesentlichen auf die jüdischen Staatsbürger und lasse die arabischen Bürger – rund ein Fünftel der Bevölkerung Israels – außen vor. Deren Status wird von internationalen Menschenrechtsorganisationen seit Jahrzehnten als strukturell benachteiligt bezeichnet, womit das zionistische Apartheid-Regime diplomatisch zurückhaltend beschrieben wird. Eine Analyse über den inneren Zerfall Israels, die wie das Red-Cell Papier nur Entwicklungen innerhalb der jüdischen Mehrheit modelliert, übersieht damit einen anderen explosiven Konfliktraum.

Dennoch beschreibt die Red-Cell-Analyse akkurat die hinreichend bekannten Risse, die die jüdische Bevölkerung Israels spalten: die Wehrpflicht, die Lebenshaltungskosten, die latente Gefahr, die von bewaffneten Veteranen ausgeht, sowie die unkontrollierte brutale Siedlergewalt bei ethnischen "Säuberungen" palästinensischer Dörfer, den Verfassungskonflikt, die schwindende US‑Unterstützung. Das sind alles politische Tatsachen, die auch ohne CIA-Red-Cell Analyse den RT-DE-Lesern bekannt sind. Ob die zunehmenden Widersprüche in der israelischen Gesellschaft genügen, um den Funken für einen inneren Krieg zu zünden und den Kollaps herbeizuführen, steht jedoch in den Sternen.

Mehr zum Thema – Israels gefährliche Auswanderungsspirale

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Trump droht Selenskij mit Stopp von US-Waffenlieferungen und Geheimdiensthilfe

Donald Trump greift durch. Wenn die Ukraine ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien fortsetzt, könnten die USA ihre Waffenlieferungen und den Austausch von Geheimdienstinformationen einstellen.

Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen. Für Selenskij wäre das ein schwerer Schlag. Die ukrainische Armee ist bei wichtigen Waffen und militärischen Informationen auf die USA angewiesen.

Laut der Financial Times haben amerikanische Vertreter der Ukraine und europäischen Hauptstädten klargemacht, dass Washington die Angriffe auf russische Raffinerien beenden will. Andernfalls drohten Konsequenzen. Im Raum steht auch ein Stopp des amerikanischen Waffenbeschaffungsmechanismus PURL, über den NATO-Staaten US-Waffen für die Ukraine finanzieren. Das Weiße Haus bestätigte die berichteten Drohungen nicht.

Selenskij will seine Angriffe auf russische Energieanlagen nicht bedingungslos einstellen. Seine Position lautet, dass die Ukraine auf russische Attacken gegen ihre eigene Energieinfrastruktur mit einem Verzicht auf weitere Angriffe reagieren würde. Trump will dagegen erreichen, dass die Angriffe auf russische Raffinerien aufhören. Damit prallen zwei unterschiedliche Vorstellungen aufeinander. Washington sucht einen Weg zur Deeskalation, Kiew will seinen militärischen Druck auf Moskau aufrechterhalten.

Für die ukrainische Führung ist die amerikanische Drohung gefährlich. Ohne US-Waffen und Geheimdienstinformationen würden wichtige Fähigkeiten der Armee geschwächt. Gerade bei der Aufklärung russischer Truppenbewegungen und der Planung von Operationen ist die Zusammenarbeit mit Washington von großer Bedeutung. Selenskij kann es sich kaum leisten, diese Unterstützung zu verlieren.

Trump verknüpft den Streit mit seiner Energiepolitik. Er will russischen Diesel auf den Markt bringen, um das Angebot zu erhöhen und den Druck auf die Treibstoffpreise in den USA zu mindern. Das Geschäft mit Moskau stößt in Europa und Kiew auf Kritik, weil Russland damit weiterhin Einnahmen aus dem Energiegeschäft erzielt.

US-Finanzminister Scott Bessent hält den europäischen Protest für heuchlerisch. Die Europäer hätten Russland seit Kriegsbeginn mehr Geld für Energie gezahlt, als sie der Ukraine an Hilfe gegeben hätten, sagte er. Wer jahrelang russische Energieträger gekauft habe, solle Washington nicht für ein Dieselgeschäft kritisieren, das amerikanischen Verbrauchern zugutekommt.

Der eigentliche Konflikt spielt sich jedoch zwischen Trump und Selenskij ab. Der US-Präsident will nicht länger hinnehmen, dass Kiew russische Raffinerien angreift, während Washington auf eine Vereinbarung zur Begrenzung der Angriffe auf Energieanlagen drängt. Selenskij wiederum will seine militärischen Optionen nicht aufgeben, solange Russland seine Attacken fortsetzt.

Trump hat zudem öffentlich erklärt, die Ukraine brauche einen neuen Präsidenten. Damit wächst der politische Druck auf Selenskij zusätzlich. Ob Washington die angedrohten Maßnahmen tatsächlich umsetzt, ist offen. Allein die Möglichkeit eines Waffenstopps und eines Endes des Geheimdienstaustauschs zeigt jedoch, wie weit der Konflikt zwischen den beiden Regierungen inzwischen reicht.

Für Selenskij steht viel auf dem Spiel. Er muss entscheiden, ob er seine Angriffe auf russische Raffinerien fortsetzt und damit einen Bruch mit Washington riskiert. Trump wiederum signalisiert, dass amerikanische Waffen und Geheimdienstinformationen nicht bedingungslos zur Verfügung stehen. Die Financial Times beschreibt damit einen Konflikt, dessen Folgen für die ukrainische Kriegsführung weit über den Streit um russischen Diesel hinausgehen.

Mehr zum Thema – Ukraine zuerst, Deutschlands Reformen später

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Das Rätsel um Pakistan, Saudi-Arabien, den Jemen und Iran

Von Pepe Escobar

Beginnen wir mit exklusiven Informationen. Am Donnerstag überreichte Yahya Ali al-Rai, Sprecher des in Sanaa ansässigen Repräsentantenhauses unter Ansarallah, Sardar Ayaz Sadiq, dem Sprecher der pakistanischen Nationalversammlung, einen Brief, in dem er Pakistan um Vermittlung zwischen Ansarallah und Riad ersucht. Rai, der weithin respektiert wird, ist seit 2008 Sprecher in Sanaa. Sadiq trat seine derzeitige Amtszeit als Sprecher in Islamabad im März 2024 an.

Dieser direkte parlamentarische Kanal ist als diplomatische Annäherung äußerst bedeutsam – da Pakistan sowohl im Inland als auch in den Ländern der islamischen Welt großem Druck ausgesetzt ist, hinsichtlich seines tatsächlichen Engagements im Konflikt Saudi-Arabiens mit dem Jemen, wie er von der Mekka-Verteidigungsallianz definiert wurde.

So undurchsichtig die gesamte Situation tatsächlich ist, direkte Informationen aus Islamabad und Teheran von höchster Ebene – wie von mir gezielt angefragt – haben vier zentrale Punkte bestätigt:

Islamabad beharrt darauf, dass Pakistan Ansarallah nicht angreifen und keine Truppen zu diesem Zweck entsenden wird

Die Vereinbarung von Riad aus der vergangenen Woche schloss ein Eindringen auf jemenitisches Territorium aus. Pakistanische Streitkräfte sollen bei jeglichen Bodenoffensiven gegen Ansarallah außen vor bleiben. Das scheint der Fall zu sein – fürs Erste.

Pakistan vermittelte bereits über Teheran zwischen Riad und Sanaa

Feldmarschall Asim Munir bat den iranischen Außenminister Araghtschi persönlich, den Einfluss Irans auf Ansarallah zusammen mit Araghtschis Kontakten sowohl zu Islamabad als auch zu Riad zu nutzen. Das pakistanische Außenministerium hat diesen diplomatischen Kanal nicht dementiert.

Pakistan müsste gemäß seinen Verpflichtungen im Rahmen des Mekka-Verteidigungsbündnisses saudisches Territorium verteidigen

Einsätze zum Grenzschutz und zur Verteidigung gegen Drohnen und Raketen, die von den jemenitischen Streitkräften abgefeuert werden, passen in dieses Muster. Das Problem ist, ob bereits pakistanische Berater auf jemenitischem Territorium im Einsatz sind. Wenn Pakistan auch nur wenige "Berater" in Aden und Truppen irgendwo im Norden des Jemen an der saudischen Grenze hätte, würde dies bereits gegen seine Zusagen verstoßen.

Die pakistanischen Streitkräfte sollten in der Lage sein, sich selbst zu verteidigen

Dies ist ein festgelegter Eventualfall, keine Ankündigung von Vergeltungsmaßnahmen. Mindestens ein pakistanischer Offizier wurde in Saudi-Arabien getötet, ohne dass Pakistan Vergeltungsmaßnahmen ergriff. Das zeugt von Zurückhaltung – zumindest vorerst.

Durchfahrt durch die Straße von Hormus: CIPS nutzen und in Rial bezahlen

Auf der breiteren Front zwischen den USA und Iran stützen diplomatische Schritte das, was wir in den letzten Tagen bei Transition Procol berichtet haben. Pakistan ist in der Tat sehr bemüht, den Dialog sowohl mit Riad als auch mit Teheran aufrechtzuerhalten, gleichzeitig in ununterbrochener Koordination mit Peking. Schließlich unterstützt China die pakistanische Vermittlung voll und ganz. Und Araghtschi spricht weiterhin mit Munir, so wie er es auch nach den Gesprächen mit Wang Yi in Peking getan hat.

Unterdessen gibt es an der Washingtoner Front quer durch das politische Spektrum fieberhafte Spekulationen über Vorbereitungen der Trump-Regierung zur Wiederaufnahme des Krieges – einschließlich möglicher Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur und sogar, was ziemlich beunruhigend ist, auf nukleare Ziele. Es gibt noch keine endgültige Entscheidung des hauptverantwortlichen Psychopathen, geschweige denn einen Starttermin. Die unmittelbaren Risiken sind jedenfalls gewaltig.

Die Diplomatie – selbst in Ersatzform – steckt in einer Sackgasse. Teheran hält an seinen bestehenden Bedingungen fest und wird dies auch weiterhin tun, die im "Dead Cat"-Memorandum of Understanding festgelegt sind, bringt nun aber die Drohung mit, Transitrouten entlang der Küste des Omans zu blockieren, die es als illegal betrachtet. Washington seinerseits ist besessen von weitreichenden nuklearen Zugeständnissen.

Zu Beginn dieser Woche haben wir berichtet, dass der Oberste Nationale Sicherheitsrat in Teheran zwei sehr folgerichtige Entscheidungen getroffen hat.

Teheran hat beschlossen, seine Transitgebühren für die Straße von Hormus ausschließlich in iranischer Währung zu erheben. Kein Yuan, kein Krypto. Dies geschieht über einen Mechanismus, der mit CIPS, dem chinesischen Zahlungs- und Abrechnungssystem, verknüpft ist und den US-Dollar umgeht. Sie nutzen CIPS, um elektronisch Yuan zu kaufen, diese in Rial umzutauschen und die Gebühr zu entrichten. Die Einnahmen aus dem Transit durch die Straße von Hormus sind schließlich eine der wenigen verbleibenden Quellen Teherans für harte Währung. Der neue Mechanismus wird den Wert des Rial definitiv stärken.

Über Pakistan teilte Teheran Trumps Immobilien-Bismarck Witkoff mit, dass Iran keinen Zoll von seinen Bedingungen für eine ausgehandelte Einigung abweichen wird – und auf jede mögliche US-Offensive umfassend vorbereitet ist. Und das, nachdem J.D. Vance mit einer zusätzlichen Bedingung zur Urananreicherung daherkam: einer "bedeutenden" und "erheblichen" Reduzierung. Das blockiert die Nuklearfrage und macht eine schnelle Lösungsformel nahezu unmöglich.

Unter dem Strich heißt das, dass die Eskalationsleiter im Handumdrehen außer Kontrolle geraten könnte.

Der aufkommende jemenitische Sturm 1.0 nimmt Gestalt an

An der saudisch-jemenitischen Front gehen die jemenitischen Streitkräfte absolut entschlossen vor. Der aufkommende jemenitische Sturm 1.0 ist bereits im Gange.

Der Schaden an der Raffinerie in Dschidda, nahe Yanbu, ist gewaltig. Ansarallah schlägt gleichzeitig an der Ost- und Westküste Saudi-Arabiens sowie gegen die dazwischenliegende Ost-West-Pipeline zu.

Faktisch zielt Sanaa auf die gesamte wichtige Infrastruktur in Riad ab. Der US-Verteidigungsschirm ist ein Witz: Die verbliebenen PAC-3- und Patriot-Batterien sind gegen jemenitische ballistische Raketen nutzlos.

Die saudischen Truppen zählen bestenfalls 75.000 Mann, dazu kommen 125.000 von der Nationalgarde. Die jemenitischen Streitkräfte befehligen mindestens 350.000 Mann, die leicht auf 800.000 aufgestockt werden können. "Hilfe" von den Ölscheichs des Golf-Kooperationsrats zu erwarten, geht nicht einmal als Scherz durch.

Die jemenitischen Streitkräfte feuerten zudem zwei ballistische Raketen sowie Sprengstoffdrohnen in Richtung des internationalen Flughafens von Aden ab. Ansarallah erklärte, das Ziel seien saudische Militärlieferungen gewesen, die gerade im Badr-Lager, dem Hauptquartier der Söldner neben dem Flughafen, eingetroffen waren. Eine nicht näher genannte Anzahl hochrangiger saudischer Offiziere und Beamter – vielleicht sogar einige Pakistaner – wurden dabei getötet.

Die Türkei ihrerseits ist ebenfalls dabei, Soldaten, Flugzeuge und Luftabwehrsysteme auf saudischem Boden zu stationieren. Diese türkischen Streitkräfte könnten theoretisch Riad, die heiligen Städte und die Ost-West-Pipeline schützen. Genau wie Islamabad betont Ankara, dass es keine Pläne gebe, sich am Krieg innerhalb des Jemen zu beteiligen.

Die rasche Befreiung der Westküste nahe dem Roten Meer durch die jemenitischen Streitkräfte machte zudem glasklar, wie die sogenannte saudische "Koalition" – in Wirklichkeit eine Bande von Söldnern – de facto von Anfang an Terroristen eingesetzte.

Ansarallah stellte eine Fülle ausländischer Pässe sicher – besonders aus Kuwait, Katar, der Türkei und Syrien –, die ISIS- und Al-Qaida-Schlägern gehörten. Nennen Sie es die Terror Inc. Legion.

Es ist das gleiche alte Lied. Katar und die Türkei haben im Einklang den Transfer von ISIS-/salafistisch-dschihadistischen Schlägern aus Syrien und dem Irak instrumentalisiert: Sie wurden im Jemen von der Islah-Partei willkommen geheißen. Die Türkei war die wichtigste Transitroute; mindestens 2.100 dieser ISIS-Kämpfer sind Türken.

Al-Qaida ist auf der arabischen Halbinsel zurück!

Schon im Jahr 2020 hatte Ansarallah Dokumente, Karten und Videos beschlagnahmt, die zeigten, wie Dschihadisten des IS/Daesh und von Al-Qaida – direkt von Riad unterstützt – im Jemen umherstreiften. Festgenommene Schläger gestanden, dass sie von den Saudis bezahlt, bewaffnet und logistisch unterstützt worden waren.

Nun ist bereits eine neue Inkarnation der ehemaligen Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) im Einsatz – in Form von mindestens 20.000 Daesh-/Takfiri-Terroristen, die aus Syrien "importiert" wurden. Sie werden in die Provinz Aden entsandt – entsprechend der Forderung, ja sogar der Anweisung des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman selbst, mit voller Zustimmung der Trump-Regierung und ihres zum Präsidenten in Damaskus gewordenen Halsabschneider-Vasallen, des ehemaligen ISIS-Führers Al-Jolani.

Die entscheidende Schlagzeile der ganzen Angelegenheit ist allerdings, dass das Haus Saud Ansarallah angreift, um den Todeskult in Westasien zu schützen.

Indem Ansarallah die Meerenge von Bab al-Mandab kontrolliert, schneidet es den israelischen Hafen Eilat faktisch ab. Das war bereits zuvor während des Völkermords in Gaza geschehen. Riad war außer sich vor Wut, da man Vereinbarungen für das – mittlerweile praktisch aufgegebene – NEOM-Projekt getroffen hatte, das eine Verbindung nach Eilat herstellen sollte, sobald die von Trump initiierten Abraham-Abkommen in Kraft getreten wären und funktioniert hätten.

Wenn man das Gesamtbild betrachtet, könnte aufgrund eines einzigen Funkens immer noch die Hölle losbrechen. Hierzu zählen unter anderem: ein jemenitischer Angriff auf Saudi-Arabien mit hohen Opferzahlen; ein Chaos bei der Mautdurchsetzung in der Straße von Hormus; ein iranischer Angriff auf ein Zielobjekt eines Ölscheichs des Golf-Kooperationsrates als Reaktion auf eine US-Provokation; ein mit Iran in Verbindung stehender Angriff auf einen Militärstützpunkt der USA, ebenfalls aufgrund einer US-Provokation; und vor allem ein vom Soziopathen im Weißen Haus erzwungenes (und fehlschlagendes) CENTCOM- Abenteuer zu Land, zu Wasser und in der Luft.

Schnallen Sie sich an.

Aus dem Englischen übersetzt von Olga Espín

Mehr zum Thema – Drei Tote nach Angriffen auf saudische Flughäfen – USA bereiten mögliche Iran-Schläge vor

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Saudi-Arabien: Geschoss unbekannter Herkunft schlägt in Hauptstadtflughafen ein

Ein Geschoss unbekannter Herkunft traf am Sonntag das Abflugterminal des internationalen Flughafens von Riad und löste einen Brand aus, teilte der Sprecher der von Saudi-Arabien angeführten arabischen Koalition gegen die jemenitische Huthi-Miliz, Turki al-Maliki, mit.

"Ein Geschoss unbekannter Herkunft traf das Passagierterminal Nr. 4 des internationalen König-Khalid-Flughafens, wodurch ein Brand ausbrach", erklärte er.

Zu Toten und Verletzten sowie dem Umfang des Sachschadens gibt es noch keine offiziellen Angaben. 

Wie Al Jazeera außerdem unter Berufung auf Vertreter der Koalition meldet, hat die Luftabwehr weitere Geschosse rund um Riad abgefangen. Auf Videoaufnahmen ist eine über dem Flughafen aufsteigende schwarze Rauchsäule zu sehen.

Der jüngste Angriff ereignete sich einen Tag, nachdem bei einem Beschuss des Flughafens 12 Menschen ums Leben gekommen und etwa 300 verletzt worden waren. Angesichts der eskalierenden Kämpfe zwischen den Huthi und der jemenitischen Regierung war der Flughafen von Riad bereits in den vergangenen Tagen Ziel von Angriffen. Am 8. Oktober wurde ein Flugzeug der Fluggesellschaft Saudia schwer beschädigt. Die Huthi bekannten sich zu diesem Angriff, während die von Saudi-Arabien geleitete Koalition meldete, zwei ballistische Raketen abgefangen zu haben.

Inzwischen hat die Fluggesellschaft SriLankan Airlines alle Flüge zwischen Riad und Colombo bis zum 18. Oktober ausgesetzt. Die Fluggesellschaft teilte mit, dass die Flüge von und nach Dammam wie geplant fortgesetzt werden, und fügte hinzu, dass der Flugbetrieb nach Riad wieder aufgenommen wird, sobald die Bedingungen für den kommerziellen Flugbetrieb als sicher erachtet werden.

Mehr zum Thema – Angriff auf Riad – Zwölf Tote und über 300 Verletzte

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Unglaublich, aber in einem Punkt hatte Selenskij vollkommen recht

Von Kirill Strelnikow

In den vergangenen 24 Stunden loderten die Emotionen in den Zentralen der "Bankowa" und "Brüssels" mit solch unglaublicher Wucht, dass die Funken sogar in der stromlosen Kiewer U-Bahn zu sehen sind.

Die Rede ist vom sogenannten Diesel-Deal zwischen Wladimir Putin und Donald Trump, in dessen Rahmen die USA umgehend und mit sofortiger Wirkung sämtliche Beschränkungen für den Export russischer Kraftstoffe aufheben, während Russland plant, bei den Diesellieferungen in die Vereinigten Staaten ein Volumen von rund drei Millionen Tonnen pro Monat zu erreichen. Wie der russische Vizepremier Alexander Nowak erklärte, "wird zugleich auch der russische Markt vollständig mit Diesel versorgt".

Das Timing ist alles: Die Nachricht von der unausweichlichen Katastrophe erreichte die Kiewer Delegation, die sich zu Verhandlungen mit den Amerikanern in Miami aufhielt, ausgerechnet zu Beginn des zweiten Tages, als man bereits plante, einen schlagkräftigen gemeinsamen Plan zu finalisieren, um Putin zum Frieden zu zwingen (natürlich zu den Bedingungen Kiews).

Der Financial Times zufolge habe "Trumps Erklärung über die Vereinbarung mit Putin zu den Lieferungen russischen Diesels die ukrainische Delegation völlig unvorbereitet getroffen". Daraufhin brachen Kirill Budanow, der Leiter des ukrainischen Präsidialamtes (der in Russland auf der Liste der Terroristen und Extremisten steht), und seine Kumpane die Verhandlungen ab und kehrten unverrichteter Dinge nach Kiew zurück.

Der französischen Zeitung Le Monde zufolge war die gesamte Kiew-Brüssel-Clique schlichtweg völlig aus der Fassung gebracht worden: Trump und Putin hätten die Ukraine und ihre Verbündeten "verärgert", "schockiert" und "empört". Nach dieser Reaktion zu urteilen, läuft also alles bestens – lassen Sie uns die Angelegenheit nun in aller Ruhe und mit Bedacht analysieren.

Die US-amerikanischen Quellen konzentrieren sich natürlich hauptsächlich auf innenpolitische Aspekte: Trump habe vor dem Hintergrund der sprunghaft gestiegenen Dieselpreise, die seine "treuesten" Wähler – Landwirte, Fernfahrer und Geschäftsleute – besonders hart treffen, einen starken Schachzug gemacht. Gleichzeitig versetzte Trump damit seinen politischen Gegnern einen Schlag, der diese regelrecht erschütterte: Wie Politico berichtet, schäumen die US-Demokraten vor Wut und werfen dem US-Präsidenten vor, dass der Deal der ganzen Welt einen "Rückgang der Unterstützung für die Ukraine" seitens der USA signalisieren könnte. Darüber hinaus sind Trumps Gegner schlichtweg außer sich angesichts der Tatsache, dass der Deal genau zu dem Zeitpunkt geschlossen wurde, als der russophobe Flügel des US-Establishments ungeduldig auf die ersten Ergebnisse des sogenannten "Lindsey-Graham-Gesetzes" (Lindsey Graham steht in Russland auf der Liste der Terroristen und Extremisten) mit einer ganzen Reihe von primären und sekundären antirussischen Sanktionen wartete. Das heißt, der US-Staatschef traf äußerst geschickt gleich mehrere ihrer wunden Punkte auf einmal.

Auch Europa blieb davon nicht verschont. Zur Erinnerung: An den gescheiterten Verhandlungen mit den Amerikanern nahmen auch die "europäischen Partner" teil, mit dem einzigen brennenden Ziel, "maximalen wirtschaftlichen Druck auszuüben, um der Kriegsmaschinerie des Kremls zu schaden". Doch etwas lief schief, und nun zeigt sich die Chefin der EU-Diplomatie, Kaja Kallas, betrübt: "Die Aussetzung der Sanktionen gegen russischen Dieselkraftstoff wird Moskau zusätzliche Einnahmen zur Finanzierung des Krieges verschaffen."

Für ein vollständiges Bild müssen noch einige weitere Umstände berücksichtigt werden.

So hatte US-Präsident Donald Trump Europa mehrfach aufgefordert, seine strategischen Dieselreserven freizugeben, um den Preisdruck auf dem Weltmarkt (und natürlich auf dem US-Markt) zu verringern. Europa widersetzte sich dem jedoch lange und hartnäckig, bevor es Washington erst vor wenigen Tagen schließlich entgegenkam – das heißt, es spielte Trumps Gegnern während des Wahlkampfs so weit wie nur möglich in die Hände. Zudem forderte Trump Selenskij mindestens sechsmal auf, die Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, da "die Angriffe zu den hohen Kraftstoffpreisen in Amerika beigetragen haben". Kiew ignorierte die Wünsche aus dem Weißen Haus – und das blieb nicht unbemerkt. Wie eine amerikanische Quelle erklärte: "Selenskij hat einfach kein Gespür für die Lage: Indem er weiterhin Ölraffinerien angreift, zerstört er das Wohlwollen, das er sich in den vergangenen sechs Monaten bei Trump aufgebaut hat." Und das ist noch eine "hochgradig diplomatische" Formulierung, durch die die Wut des US-Präsidenten deutlich hindurchbrach.

Gestern Abend wurden all die Leaks und Insiderinformationen der vergangenen Tage durch den Hausherrn des Weißen Hauses selbst ergänzt: Donald Trump erklärte unverblümt, dass die Ukraine einen neuen Staatschef brauche, und forderte, russische Ölraffinerien nicht mehr anzugreifen.

Mit dem Abschluss des Diesel-Deals mit Russland hat Trump allen gezeigt, dass es sinnlos ist, Druck auf ihn auszuüben oder ihn zu etwas zu zwingen, und dass es unklug und gefährlich ist, ihn offen zu missachten und zu demütigen. Nach den Worten des US-Präsidenten sei seine stärkste Waffe die Ungewissheit, und nun richte sie sich gegen jene, die glaubten, ihn bereits in der Tasche zu haben.

Es gibt jedoch auch eine andere Sichtweise auf die aktuellen Ereignisse – eine, die offenbar tiefgreifender ist.

Im Juli dieses Jahres prahlte Wladimir Selenskij in einem Interview mit der Financial Times, Donald Trump sei angeblich von den Erfolgen der Ukraine bei Angriffen tief auf russischem Territorium außerordentlich beeindruckt gewesen und habe sogar eine verstärkte Unterstützung in Aussicht gestellt. Selenskij zufolge "will Präsident Trump dort sein, wo es Erfolg gibt" – und jetzt werde für die Ukraine alles sehr, sehr gut laufen.

Nehmen wir einmal an, der US-Präsident möchte tatsächlich dort sein, wo es Erfolg gibt. Und offen gestanden: Wer möchte das nicht? Aber Tatsache ist, dass dieser Erfolg offensichtlich nicht in den dunklen Geschäften der Ukraine zu finden ist, in denen die Menschen die Waren buchstäblich ertasten müssen, um sie auszuwählen. Der Erfolg liegt offensichtlich nicht in den stillstehenden U-Bahnen und Straßenbahnen Kiews. Er liegt weder in der überlasteten Kanalisation noch in immer neuen Anlagen der ukrainischen Energieinfrastruktur, die zerstört werden, und auch nicht in ganzen Regionen, die in Dunkelheit und Kälte versinken. Der Erfolg der Ukraine liegt ganz sicher nicht in den Kesselgebieten, die von der russischen Armee gesäubert werden, und auch nicht am rund um die Uhr brennenden Himmel, an dem unsere Drohnen und Raketen Welle um Welle fliegen und Ziele treffen, die im Interesse der ukrainischen Streitkräfte genutzt werden.

Und der Erfolg liegt ganz sicher auch nicht in der totalen Degradierung der ukrainischen Armee, der Gesellschaft, des Staates und der politischen Klasse, die inzwischen solche Ausmaße angenommen hat, dass gestern selbst ukrainische Oligarchen den "blutigen Clown" aufforderten, zurückzutreten und die Macht an die Werchowna Rada zu übergeben, um Verhandlungen über die Beendigung des Krieges zu führen.

Es ist unbestreitbar, dass Trumps Gespür hervorragend funktioniert. Und irgendetwas deutet darauf hin, dass dieser Deal mit Russland nicht der letzte sein wird.

Denn die sicherste Strategie besteht darin, auf den Sieger zu setzen – und in dieser Hinsicht hat Selenskij zu hundert Prozent recht.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 11. Oktober 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.

Mehr zum Thema – "Ukraine braucht neuen Präsidenten" – Musk unterstützt Trumps Forderung nach Selenskij-Rücktritt

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Wasserstoff-Tanker auf dem Rhein festgefahren

Wie das Polizeipräsidium Einsatz, Logistik und Technik der rheinland-pfälzischen Polizei heute in einer Pressemitteilung bekannt gab, kam es am Sonntagmorgen um 7 Uhr zu einer Festfahrung eines Tankers bei Rheinkilometer 474. Diese Rheinstelle liegt am Oberrhein im Bundesland Rheinland-Pfalz auf der Höhe des Ortes Ludwigshöhe (Landkreis Mainz-Bingen).

Das betroffene Tankmotorschiff ist mit 250 Tonnen Wasserstoff beladen. Der Tanker befand sich den Polizeiangaben zufolge auf Talfahrt an der linksrheinischen Seite der Fahrrinne. Bisher ist noch nicht bekannt, dass das Schiff von selbst wieder freigekommen ist.

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oberrhein untersagt deshalb bis zur Entfernung des festgefahrenen Schiffes Großfahrzeugen mit Überbreite ab 11,45 Metern das Passieren der Stelle. Die Sperrung gilt vom Hafen in Gernsheim bis zur Mainspitze bei Mainz. Die Schifffahrtssperre ist notwendig, da durch das havarierte Schiff die Durchfahrtsbreite an dieser Stelle des Rheins stark eingeschränkt ist.

Es ist nicht die erste Festfahrung bei Rheinkilometer 474 an diesem Wochenende. Bereits am Samstag kam es zu drei derartigen Vorfällen. Es gelang jedoch den Kapitänen der betroffenen Großfahrzeuge, die festgefahrenen Schiffe wieder freizubekommen. Nennenswerte Schäden sind dabei laut Polizei nicht aufgetreten.

Die Ursache für die Festfahrung am Sonntag ist noch unklar, die Ermittlungen zur Unfallursache dauern an. Die Polizei zieht auch eine mögliche Untiefe an der betroffenen Stelle als Unfallgrund in Betracht. Wäre dies der Fall, müsste der Rhein an dieser Stelle ausgebaggert werden, so die Tagesschau unter Berufung auf Expertenmeinungen.

Die Tagesschau zitiert einen Polizeisprecher, der Näheres zu den Vorfällen am Samstag zu berichten weiß. Demnach ist die Tiefe der Fahrrinne zwar exakt vorgegeben. Es könne jedoch sein, dass die Binnenschiffer trotz Echolot an Bord die Untiefen zu spät bemerkt hätten.

Auf eine Untiefe deutet auch der erste der Vorfälle hin. Demnach war dem Kapitän des betroffenen Schiffes eine Tiefe von 1,40 Metern angezeigt worden. In Wahrheit war der Rhein an der Stelle lediglich einen Meter tief, was zur Folge hatte, dass sich das Schiff erst einmal festsetzte. Nachdem die Ladung umgelagert worden war, konnte das Schiff nach einer halben Stunde seine Fahrt fortsetzen. Die beiden anderen Vorfälle gingen in der Nacht auf Sonntag ebenso glimpflich vonstatten. Bis es eben zu der Festsetzung am Sonntagmorgen kam.

Die Schifffahrt auf dem Rhein ist derzeit wegen des immer noch herrschenden Niedrigwassers ohnehin schon beeinträchtigt. Der Niedrigwasserzustand könnte Experten zufolge noch länger andauern, bis es zu ausgiebigen Niederschlägen kommt.

Mehr zum Thema - Niedrigwasser am Rhein: Belastungen für Schifffahrt und Wirtschaft bleiben

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I Thought I Was Good at Something

and then I lose an hour to those billiard-trick-shot videos,
magnificent, their impossible spins, flawless timing,
the punctuated clunk of the corner pockets like God exhaling
just a little. I lose another hour watching and another.
Months evaporate this way. There’s the one where the cue ball
kisses every single solid in procession as if in a receiving line
before sinking the eight. There’s the simple shot, a spin
so hard, the cue circles back on itself only a few inches
away to sink a ball exactly behind it. If I eat I don’t remember
having done so. If I have lovers they haven’t called. If I have
a name I will need you to remind me. But then it’s today
and something snaps in me like a glowstick, bright
and temporary. My mother phones and starts talking about
identifying possum tracks in the snow. Isn’t it summer?
I think and venture out in the city. I get on the train, head
to whatever job I recall having had but still the world is here
too much and like an eclipse it’s bad for you to look at directly,
the naked tenderness of the men reading self-help books
on the train—all their failures and desires written
right there on the covers. I surface to the streets of this city
made crazy with commuters, how perfect we are, moving
toward what it is we chase. How one by one
we drop into the manholes on the corners with a clunk.

© Alana Celii / Connected Archives

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Estlands Regierungschef will russische Raffinerien "in Trümmer legen"

Der estnische Ministerpräsident Kristen Michal hat die EU aufgerufen, die Unterstützung der Ukraine fortzusetzen, damit Kiews Militär russische Ölraffinerien zerstören könne. In einem emotionsgeladenen Beitrag auf Facebook anlässlich der jüngsten Vereinbarungen zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinem US-Amtskollegen Donald Trump behauptete Michal:

"Das ist ein großer Fehler, denn Abkommen mit Diktatoren sind ein Weg in die Hölle."

Estlands Regierungschef fügte hinzu, dass die zwischen Putin und Trump vereinbarten Lieferungen von russischem Treibstoff auf den US- und den Weltmarkt den bisherigen Bemühungen des Westens zuwiderlaufen, Russlands Einkünfte aus dem Verkauf von Energieträgern zu begrenzen. In diesem Zusammenhang forderte er in inzwischen für Europa gewohnter Manier, die militärische Unterstützung der Ukraine weiter zu stärken. Michal schrieb:

"Die USA haben bisher ebenso wie wir ihre Verbündeten davon überzeugt, auf russischen Treibstoff zu verzichten. Der langfristige Kurs, Russland Geldquellen zu entziehen, ist richtig und muss fortgesetzt werden.

In Estland und bei der Sitzung des Europäischen Rats in der nächsten Woche sollte erörtert werden, ob wir schnell mehr zur Unterstützung der Ukraine beitragen können, damit sie die russischen Ölraffinerien in Trümmer legen."

Michals Äußerungen sorgten für eine Reaktion der Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. In einem Kommentar auf ihrem Telegramkanal zog sie die politische Kompetenz des estnischen Regierungschefs in Zweifel. Sie erinnerte daran, dass Michal in Estland die Posten des Klimaministers, des Wirtschaftsministers und des Justizministers für jeweils ein Jahr belegt hatte:

"Ein Minister für alles für ein Jahr. Wer gab ihm das Recht, vom Namen der ganzen Europäischen Union zu sprechen?" 

Sacharowa erinnerte an die ebenfalls aus Estland stammende EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und fügte hinzu:

"Die gesamte EU rätselt: In wessen Namen spricht Kaja Kallas, die von niemandem bevollmächtigt wurde, alle ihre dümmsten Äußerungen zu machen? Nun kommt ein neuer estnischer Eiferer hinzu."

Die russische Diplomatin warnte, dass Michals Äußerungen Europa tiefer in eine Konfrontation gegen Russland hineinziehen würden.

Mehr zum Thema – Europa rebelliert – und seine Führungskräfte bereiten sich auf den Krieg vor

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Beziehungskrise: Kiew hat eine ernste Warnung aus Korea erhalten

Von Timofei Bordatschjow

Südkorea ist eines der zivilisiertesten Länder der Welt, was die Regeln des diplomatischen Umgangs und das Verhalten auf der internationalen Bühne im Allgemeinen betrifft. Die Regierung in Seoul ist nicht dafür bekannt, zu drastischen außenpolitischen Entscheidungen zu greifen. In erster Linie deshalb, weil die traditionelle konfuzianische Kultur von Politikern verlangt, auf ihr Ansehen zu achten – sich nicht unbesonnen und eines "edlen Mannes" unwürdig zu verhalten. Zudem macht sich bemerkbar, dass das Land einst einen äußerst schweren Bürgerkrieg durchlebt hat. Nach diesem Krieg und angesichts der anhaltenden Spannungen in den Beziehungen zur Demokratischen Volksrepublik Korea wird auf der Halbinsel die Fähigkeit von Staatsmännern hoch geschätzt, für das, was sie öffentlich äußern, Verantwortung zu übernehmen.

Derzeit ist jedoch zu beobachten, dass sich die südkoreanische Führung und Diplomatie in ihrer Bewertung des Verhaltens der offiziellen Kiewer Regierung nicht sonderlich zurückhalten. Innerhalb von nur wenigen Tagen wurde eine ganze Reihe scharfer Erklärungen abgegeben, und nun ruft Seoul seinen Botschafter aus der Ukraine zurück.

Der Grund für diese Entschlossenheit liegt darin, dass die Unterstützung der Ukraine grundsätzlich nicht den Interessen Südkoreas entspricht und es in Seoul niemanden gibt, der ernsthafte Gründe hätte, das Verhalten des Kiewer Regimes zu akzeptieren. Dies gilt insbesondere angesichts der völlig unterschiedlichen Vorstellungen beider Seiten hinsichtlich der Regeln und Normen der internationalen Beziehungen.

Der Kern des Konflikts besteht darin, dass Kiew auf höchster politischer Ebene Informationen über die Übergabe von Soldaten der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) an Südkorea veröffentlicht hat, die während der Kämpfe im Gebiet Kursk in die Hände ukrainischer Einheiten gefallen waren. Unmittelbar darauf brachte die südkoreanische Regierung ihre Empörung über solche Äußerungen zum Ausdruck, da die Übergabe an sich vertraulicher Natur gewesen sei. Vor allem deshalb, weil nach Ansicht der südkoreanischen Seite die Veröffentlichung dieser Informationen die Angehörigen der genannten Soldaten gefährden könnte.

Der südkoreanische Präsident Lee Jae-myung selbst warf der Ukraine vor, ihr Wort der Geheimhaltung gebrochen zu haben, und forderte eine offizielle Entschuldigung. Als Reaktion darauf weigerten sich die Vertreter Kiews natürlich, sich zu entschuldigen – und bezeichneten das Geschehene überhaupt als "diplomatisches Missverständnis". Mit anderen Worten: Sie antworteten in dem für sie gewohnten Stil "der Kosaken, die einen (beleidigenden) Brief an den türkischen Sultan schreiben", den sie sich in den letzten Jahren auf europäischen Bühnen hervorragend angeeignet haben. Man denke nur daran, wie sich der Vertreter Kiews in Deutschland seinerzeit gegenüber dem deutschen Bundeskanzler Scholz in seinen Äußerungen keineswegs zurückhaltend zeigte.

Nur erhielten sie diesmal als Antwort kein verlegenes Schweigen, sondern den sofortigen Abzug des Botschafters: ein Signal dafür, dass die Kiewer Machthaber nun nicht mehr ohne öffentliche Demütigung aus dem entstandenen Konflikt herauskommen können. Dabei hatte man in Kiew selbst offensichtlich nicht mit einer solchen Reaktion gerechnet. Worin liegt der Grund für diese Schärfe seitens Südkoreas?

In erster Linie war die heikle Natur des angesprochenen Themas im innerkoreanischen Kontext der Grund für diese harte Reaktion. Von allem, was in der Welt geschieht, sind für Seoul die Beziehungen zur Demokratischen Volksrepublik Korea und alles, was damit zusammenhängt, von größter Bedeutung. Umso mehr, als es derzeit um konkrete Menschen geht – in einem Land, das seit fast 80 Jahren gespalten ist, zählt für Russlands Verbündeten in Pjöngjang und ihre Gegner im Süden der Halbinsel wirklich jeder Einzelne. Und die Tatsache, dass ein mit Südkorea verbündetes Regime Informationen veröffentlicht, die für Südkorea heikel sind, trägt keineswegs dazu bei, Seouls Autorität im ideologischen Konflikt mit dem Norden zu stärken.

Es gibt jedoch auch rein politisch-wirtschaftliche Gründe für diese Schärfe. Davon gibt es mindestens zwei. Erstens stellt die Ukraine für Südkorea, das eine hochentwickelte Industriemacht darstellt, einen außenpolitisch völlig uninteressanten Partner dar. Insbesondere war man in Seoul von vornherein nicht bereit, große Summen für die Unterstützung der Ukraine aufzuwenden.

Seit Beginn der militärischen Sonderoperation erhielt Kiew zwar gewisse Hilfe aus Seoul, doch diese umfasste niemals wesentliche Arten von tödlichen Waffen. Dies hängt damit zusammen, dass die gesamte Unterstützung des Kiewer Regimes und die Beteiligung an den "Sanktionen" gegen Russland von Südkorea unter direktem Druck der USA geleistet wurden. Tatsächlich ist von allen Ländern, die Kiew etwas zur Verfügung stellen und Sanktionen gegen Russland verhängt haben, gerade Südkorea das Land, das dies am stärksten gegen seinen Willen tut.

Besonders aktiv war der Druck der USA während der Amtszeit der Regierung von Joe Biden, während er unter Donald Trump deutlich nachließ. Für die US-Amerikaner hat nun die gemeinsame "Belagerung" Chinas zusammen mit den Koreanern größere Bedeutung. Zum Teil gibt der nachlassende Druck vonseiten Washingtons Seoul mehr Handlungsspielraum und ermöglicht es, mit Kiew in der Sprache zu sprechen, die es verdient. Umso mehr, als die südkoreanische Regierung alle innenpolitischen Vorteile – die Rechtfertigung für die Umsetzung mehrerer Rüstungsprogramme – nutzen konnte und sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Rüstungslieferanten für osteuropäische Länder entwickelt hat.

Zudem muss berücksichtigt werden, dass von allen Verbündeten der USA in der nördlichen Hemisphäre gerade Südkorea insofern einzigartig ist, als es keine eigenen offenen Rechnungen mit Russland hat. Im Gegensatz zu Japan trennen uns keine territorialen Streitigkeiten, und über Europa zu sprechen, macht gar keinen Sinn. Die gesamte außenpolitische Existenz der EU besteht mittlerweile nur noch aus dem Kampf gegen Russland. In Südkorea und Russland besteht jedoch bis heute sogar eine visumfreie Regelung für kurzfristige gegenseitige Reisen.

Und genau damit hängt der zweite Grund für die Schärfe der Haltung Seouls in dem entstandenen Konflikt um die Auslieferung von Bürgern der Demokratischen Volksrepublik Korea durch die ukrainischen Behörden zusammen. Denn das Land, das für Südkorea in Europa tatsächlich von strategischer Bedeutung ist, ist Russland. Infolge des Drucks seitens der USA erlitten südkoreanische Unternehmen kolossale Verluste und mussten in einer ganzen Reihe von Branchen ihren chinesischen Konkurrenten den Vortritt lassen – in Branchen, in denen ihnen die Präsenz auf dem russischen Markt viele Jahre harter Arbeit gekostet hatte. Diese verlorenen Positionen lassen sich erst in sehr ferner Zukunft wieder zurückgewinnen.

Darüber hinaus wurde die Akzeptanz des US-amerikanischen Diktats durch Seoul nach dem Jahr 2022 zu einem weiteren Faktor für die Annäherung zwischen Russland und Nordkorea. Dies war natürlich kein entscheidender Faktor, da sich diese verbündeten Beziehungen über Jahre hinweg entwickelt hatten, aber es hat den Abschluss eines formellen Bündnisses beschleunigt. Für Südkorea bedeutet der russische "Sicherheitsschirm" über dem Norden, dass es noch weniger möglich ist, auch nur daran zu denken, eine gewaltsame Vereinigung des Landes zu versuchen. Außerdem wird die russische Position von der südkoreanischen Diplomatie in ihren schwierigen Beziehungen zum offiziellen Peking stets berücksichtigt.

Daher ist Südkorea eine Macht, die durch die Teilnahme an der globalen Konfrontation auf der Seite der Gegner Russlands nur verliert. Seit mehr als vier Jahren hat man in Seoul die Verluste gezählt und die USA daran erinnert, dass jedes erlittene Opfer irgendwie kompensiert werden muss. Und nun hat man in Südkorea einfach beschlossen, den außenpolitischen "Fehler" Kiews voll auszunutzen. Offenbar ist damit zu rechnen, dass selbst jene Hilfe aus Südkorea, die bisher geleistet wurde, ernsthaft ins Stocken geraten wird. Zudem wird man von Kiew eine offizielle Entschuldigung verlangen, deren bloße Möglichkeit derzeit noch jenseits seines Vorstellungsvermögens liegt. Ein baldiges Ende der Beziehungskrise ist also kaum zu erwarten.

Doch selbst wenn ein Wunder geschehen und eine Entschuldigung ausgesprochen würde, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass diese Krise die letzte sein wird. Denn den ukrainischen Behörden scheint selbst eine einfache Tatsache nicht bewusst zu sein: Ihre Art der Kommunikation mit ernstzunehmenden ausländischen Partnern ist nur dann akzeptabel, wenn diese die Ukraine und ihr Volk unbedingt gegen Russland einsetzen wollen. Und in Fällen, in denen das Verhalten Kiews nicht mit dem Blut der einfachen Einwohner der von ihm kontrollierten Gebiete bezahlt wird, wird niemand diese Unverschämtheiten dulden.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 10. Oktober 2026 zuerst auf der Website der Zeitung "Wsgljad" erschienen.

Timofei Bordatschjow ist Programmdirektor des internationalen Diskussionsklubs Waldai.

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Ukraine-Spezialfracht: Österreich verlangt Erklärung für Geheimtransport ohne Kontrollen

Österreich hat eine Erklärung für den Transport von 200 Kilogramm "Spezialfracht" ukrainischer Geheimdienste durch das Land ohne Zollabfertigung und Sicherheitsüberprüfung gefordert. Die oppositionelle Freiheitliche Partei (FPÖ) beabsichtigte laut der Kronen Zeitung, eine neue parlamentarische Anfrage einzubringen.

Demnach stand der Transport im Zusammenhang mit der Teilnahme der ukrainischen Delegation am Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos. Kiew habe die Genehmigung für die Durchreise eines Kleinbusses des ukrainischen Geheimdienstes, beladen mit 200 Kilogramm Spezialfracht, durch Österreich beantragt.

In der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage bestätigte das österreichische Außenministerium die Existenz einer Verbalnote, die an das zuständige Innenministerium weitergeleitet wurde.

FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker möchte eine neue parlamentarische Anfrage einbringen, um den Inhalt der Ladung zu klären. Außerdem sollte festgestellt werden, wer deren Transport ohne Überprüfung genehmigt habe. Hafenecker betonte, dass Österreich ein neutraler Staat bleibe und "kein Transitkorridor ist, in dem keine Gesetze gelten". Die Kronen Zeitung zitierte den Politiker:

"Österreich ist kein rechtsfreier Transitkorridor für ausländische Geheimdienste. Wir sind immer noch ein neutraler Staat."

Zuvor hatte die Zeitung unter Berufung auf das Finanzministerium berichtet, dass die Behörden seit 2022 insgesamt 1.011 Ausfuhranmeldungen für den Transport von Bargeld von Wien über Budapest nach Kiew ausstellten. Die Gesamtsumme der ausgeführten Gelder belief sich auf 11,85 Milliarden Euro und weitere 7,7 Milliarden US-Dollar. Hinzu kamen noch 19 Fahrten mit Goldbarren im Wert von mehr als 130 Millionen US-Dollar und Euro.

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Knoten in der Lunge: Papst benötigt Operation

Ein Schreckensmoment für die Gläubigen auf dem Petersplatz: Im Anschluss an das sonntägliche Angelus-Gebet verkündete Papst Leo XIV., er habe einen Knoten in der Lunge. Wie Vatican News, das mehrsprachige Nachrichtenportal des Heiligen Stuhls, mitteilt, ist für kommende Woche ein operativer Eingriff geplant, um den Knoten zu entfernen.

Matteo Bruni, der Direktor des Presseamtes des Heiligen Stuhls, erklärte auf Nachfragen von Journalisten, dass der Papst nach dem Eingriff voraussichtlich eine Woche im Gemelli-Krankenhaus am Stadtrand von Rom verbringen werde.

Zuvor hatte der Papst vom Balkon seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast den Gläubigen folgende Mitteilung gemacht: "Meine Lieben, kürzlich haben die Ärzte bei einigen Untersuchungen einen begrenzten Knoten in meiner Lunge festgestellt." Der Knoten befinde sich in einem sehr frühen Stadium und sei gut lokalisierbar. Ob es sich um eine gutartige oder bösartige Gewebewucherung handelt, wurde aus der Äußerung nicht klar.

Pope Leo XIV tells the faithful gathered for the Angelus on Sunday that his doctors have found “a localized nodule” in his lung and will operate in a few days. He added that the nodule was “detected at a very early stage and is well localized.” https://t.co/1rTOE4WPUf

— Vatican News (@VaticanNews) October 11, 2026

Seine Ärzte hielten einen operativen Eingriff für angebracht, so der Heilige Vater weiter. Er werde dem ärztlichen Rat Folge leisten und sich einer Operation in den nächsten Tagen unterziehen. Der Papst wandte sich an die Gläubigen und rief sie zur Fürbitte auf: "Ich danke euch für eure geistliche Nähe und vertraue mich euren Gebeten an."

Wann genau der Eingriff stattfinden wird, ist unbekannt. Dem Bayerischen Rundfunk zufolge ist für Mittwoch der feierliche Abschlussgottesdienst der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen vorgesehen, an dem der Papst vermutlich teilnehmen möchte. Sollte das der Fall sein, könnte die Operation erst ab Donnerstag stattfinden. Für Anfang bis Mitte November wiederum ist bereits eine Südamerika-Reise des Papstes geplant.

Papst Leo XIV., mit bürgerlichem Namen Robert Francis Prevost, ist ein gebürtiger US-Amerikaner. Seit Mai 2025 ist er das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Der 71-Jährige gilt für Vatikan-Verhältnisse als relativ jung. Er ist nicht als Raucher bekannt, sondern hält sich mit den Sportarten Schwimmen und Tennis fit. Auch von gesundheitlichen Problemen war bisher nicht die Rede.

Mehr zum Thema – In seiner Rede in Metz zum Thema Europa prangerte der Papst die Wiederaufrüstung an

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Klageverfahren gegen Asylentscheidungen dauern wieder länger

Die Fraktion der Linkspartei im deutschen Bundestag hatte sich unter Federführung der Abgeordneten Clara Bünger in einer Anfrage nach der Dauer von Klageverfahren gegen Asylentscheidungen erkundigt. Die Antwort der Bundesregierung liegt nunmehr der Deutschen Presse-Agentur vor. Demnach haben sich die Asylklageverfahren wieder verlängert, nachdem ihre Dauer in den vergangenen Jahren zurückgegangen war.

Im ersten Halbjahr des Jahres 2026 dauerten Klageverfahren gegen Asylentscheidungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vor deutschen Gerichten durchschnittlich 15,3 Monate. Im Vorjahr waren es noch lediglich 14,3 Monate gewesen, wobei allerdings die Daten für den Dezember 2025 nicht mit eingerechnet sind.

Auch wenn die Dezember-Daten nicht vorlagen, wird klar: Asylklageverfahren dauern in der BRD bis zum Gerichtsurteil wieder länger. In den vorausgehenden vier Jahren war dagegen die Verfahrensdauer gesunken. Die durchschnittliche Verfahrensdauer hatte im Jahr 2021 noch 26,5 Monate betragen, im Jahr 2024 waren es im Schnitt 16,7 Monate, die die Gerichte für die Entscheidung über Klagen zu Asylerstanträgen oder Folgeanträgen benötigten.

Dabei sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern hinsichtlich der Verfahrensdauer teils erheblich. In Sachsen dauerte ein Asylklageverfahren im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich mehr als doppelt so lange wie in Rheinland-Pfalz.

Bis zum Urteil in einem Asylklageverfahren brauchten die Gerichte im Freistaat Sachsen 20,4 Monate, in Niedersachsen betrug die Verfahrensdauer 20 Monate. In Rheinland-Pfalz kam es dagegen bereits nach 9,2 Monaten zu einer Entscheidung, in Bayern nach 10,7 Monaten. Allerdings hat sich die Verfahrensdauer auch in Rheinland-Pfalz verlängert. Im Jahr 2023 hatte dort ein Asylklageverfahren im Durchschnitt lediglich fünf Monate gedauert.

Die Ursache für die längere Dauer der Verfahren im ersten Halbjahr 2026 liegt nach Einschätzung der Bundesregierung in der steigenden Zahl solcher Klagen. Auch komme es vor, dass an bestimmten Verwaltungsgerichten besonders viele Klagen von Asylbewerbern aus einem bestimmten Herkunftsland anhängig seien. Bei Herkunftsländern, in denen die Lage komplex sei, verzögere sich dadurch das Gerichtsurteil.

So habe es etwa im November 2025 über das ganze Bundesgebiet verteilt besonders viele Asylklageverfahren von Türken gegeben, während im Bundesland Sachsen im gleichen Zeitraum Venezolaner gegen einen negativen Asylbescheid des BAMF geklagt hätten.

Die Fragestellerin Bünger erklärt sich den Anstieg der Asylklageverfahren damit, dass die Behörde im vergangenen Jahr häufiger Asylanträge von Menschen aus Ländern abgelehnt habe, in denen sich die Menschenrechtslage verschlechtert habe. So hätten die Gerichte im Falle einer Klage ungefähr jeden zweiten Asylbescheid in Bezug auf das Herkunftsland Iran korrigiert.

Zum Stichtag 15. August lagen den Verwaltungsgerichten bundesweit 196.315 Asylklagen vor. Meist handelt es sich bei den Klägern um Menschen, deren Asylantrag abgelehnt wurde, manchmal auch um Asylbewerber mit subsidiärem Schutz, die einen Familiennachzug durchsetzen wollen. Die Bundesländer versuchen teilweise, mithilfe von mehr Personal und spezialisierten Kammern die Asylklageverfahren zu beschleunigen.

Eine gegenläufige Tendenz ist bei den Asylverfahren beim BAMF selbst zu beobachten. Im Gegensatz zu den gerichtlichen Klageverfahren wurden sie im ersten Halbjahr 2026 zügiger bearbeitet. Die Bearbeitung eines Asylantrags dauerte durchschnittlich 11,3 Monate und damit fast einen Monat weniger als im Vorjahr, als sie 12,2 Monate in Anspruch nahm. Der Rückgang ist damit zu erklären, dass das BAMF im Jahr 2025 besonders viele schon ältere Asylanträge von syrischen Staatsangehörigen bearbeitet hatte.

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Europa rebelliert – und seine Führungskräfte bereiten sich auf den Krieg vor

Von RT-Redaktion

Europas Führungskräfte hegen große Pläne: mehr Geld für Waffen ausgeben, sich auf den Krieg vorbereiten und den Bürgern Sparmaßnahmen abverlangen. Die Menschen hingegen treiben unmittelbarere Sorgen um – etwa die Wohnungssuche, der Erhalt des Arbeitsplatzes und der Zugang zu Bildung. In Frankreich, Deutschland, Spanien und anderen EU-Staaten schlägt sich diese wachsende Kluft zunehmend auf der Straße nieder.

In den vergangenen Wochen kam es in Spanien zu Protesten für bezahlbaren Wohnraum, in Frankreich zu Studentenunruhen und Streiks im öffentlichen Dienst sowie in Deutschland zu Demonstrationen gegen die Wehrpflicht und den Abbau von Industriearbeitsplätzen. Die Migrationsproblematik verschärft den Unmut über die Wohnungskrise und die Überlastung öffentlicher Dienste; zudem wirft die Aussicht auf eine mögliche Wehrpflicht bei jungen Deutschen die Frage auf, für wessen Kriege sie eigentlich kämpfen sollen.

Die Forderungen mögen unterschiedlich sein, doch eine Klage eint die Protestteilnehmer – abgesehen von jenen, die lediglich einen Vorwand für Randale suchen: Die Regierungen hören nicht zu. Anstatt innenpolitische Probleme in den Vordergrund zu stellen, verlangen Europas Spitzenpolitiker von den Bürgern Verzicht und Opferbereitschaft, während sie gleichzeitig Milliarden in die Vorbereitung eines verhängnisvollen Krieges gegen Russland investieren. Dies geschieht, obwohl sowohl Moskau als auch die eigenen europäischen Geheimdienste wiederholt betont haben, dass keine unmittelbare Bedrohung besteht.

Spanien: Verdrängt und frustriert

Die Wohnungskrise in Spanien hat Zehntausende auf die Straße getrieben. Nach Jahren explodierender Mieten wurde die Zwangsräumung einer 87-jährigen Frau aus ihrer Madrider Wohnung – in der sie 70 Jahre lang gelebt hatte – im vergangenen Monat zum Auslöser für breiten Protest: Viele haben es satt, aus ihrem Wohnumfeld verdrängt zu werden, und sind empört über das Versagen der Regierung bei der Bewältigung der Krise um bezahlbaren Wohnraum.

Die Zwangsräumung, in deren Folge die 87-Jährige verstarb, löste in ganz Spanien Demonstrationen aus, gefolgt von Massenaufmärschen und einem anhaltenden Protestcamp im Zentrum von Madrid. Dass das Parlament im Anschluss Notfallmaßnahmen zum Mieterschutz ablehnte, goss weiteres Öl ins Feuer und brachte am vergangenen Wochenende in rund 50 Städten Zehntausende auf die Straße.

Die Mieten in Spanien haben sich im vergangenen Jahrzehnt nahezu verdoppelt, da das durch Zuwanderung bedingte Bevölkerungswachstum weiterhin den Wohnungsbau übersteigt. Ohne Berücksichtigung der Migration ist die Bevölkerungszahl hingegen weiter zurückgegangen.

Besonders deutlich wird der Druck in Ceuta, der spanischen Exklave in Nordafrika: Ende Juli gelangten rund 72.000 Menschen aus Marokko in das Gebiet, das etwa 84.000 Einwohner zählt. Obwohl die meisten zurückkehrten, blieben Tausende, was die Unterbringungskapazitäten überlastete und die öffentlichen Dienste unter enormen Druck setzte.

Die Bewohner gingen auf die Straße, um schärfere Grenzkontrollen und schnellere Abschiebungen zu fordern; sie warfen der Regierung in Madrid vor, sie im Stich gelassen zu haben. Die Proteste eskalierten zu Zusammenstößen mit der Polizei, während wütende Einheimische provisorische Lager von Migranten abrissen.

Die Versprechen der Regierung, die Ordnung wiederherzustellen, haben kaum dazu beigetragen, die Frustration jener Gemeinschaften zu lindern, die die Folgen zu tragen haben.

Frankreich: Schulschluss

Auch Frankreich wird von einer Welle sich überschneidender Proteste erfasst – es geht um Löhne, Sparmaßnahmen, öffentliche Dienstleistungen und die Zustände an den Schulen. Lehrkräfte, Beschäftigte im Gesundheitswesen, Feuerwehrleute und Verkehrspersonal haben sich in den vergangenen Wochen an zahlreichen Streiks beteiligt, während eine wachsende Schülerbewegung durch Schulblockaden für weitere Unruhe sorgt.

Die Schülerproteste begannen Mitte September; die Schüler forderten mehr Lehrkräfte, kleinere Klassen, die Instandsetzung vernachlässigter Schulgebäude sowie eine Entlastung bei den Stundenplänen. In diesem Jahr wurden bereits Tausende Lehrerstellen gestrichen, und für das kommende Jahr sind weitere Kürzungen geplant.

Am Dienstag beteiligten sich landesweit rund 266.000 Menschen an Demonstrationen. Innerhalb von drei Wochen wurden mehr als 6.500 Personen festgenommen; zudem wurden Hunderte Schüler und Polizeibeamte verletzt – darunter ein 15-Jähriger, der durch eine Polizeigranate eine Hand verlor, und ein 16-Jähriger, der Berichten zufolge auf einem Auge erblindete, nachdem er von einem Gummigeschoss getroffen worden war.

Im Zuge des Anwachsens der Bewegung schlossen sich gewaltbereite Gruppen den Protesten an; sie setzten Busse in Brand, griffen Einsatzkräfte an und beschädigten Schulen. In ganz Frankreich wurden 24 Schulen niedergebrannt oder verwüstet.

Ähnliche Demonstrationen breiteten sich auch auf das Nachbarland Belgien aus, wo sich Schüler gegen Bildungsreformen, höhere Transportkosten und steigende Studiengebühren zur Wehr setzten. In Lüttich gingen Schulblockaden mit Vandalismus, Brandstiftungen und Festnahmen einher.

Frankreich: Die Kürzungen gehen weiter

Die Schülerproteste folgten auf umfassendere Proteste, die Frankreich bereits seit Wochen in Atem halten: Beschäftigte des öffentlichen Dienstes demonstrieren gegen Lohnkürzungen und Einsparungen bei öffentlichen Leistungen, verschärft durch die stark gestiegenen Kraftstoffpreise.

Seit 2017 sind die Gehälter im öffentlichen Dienst um fünf Prozent gestiegen, während die kumulierte Inflation 24 Prozent erreicht hat. Das von der Regierung vorgeschlagene Haushaltspaket im Umfang von 54 Milliarden Euro – das Ausgabenkürzungen und -stopps bei Renten und Sozialleistungen vorsieht – hat den Unmut weiter verschärft.

Auch gegen die weitere Finanzierung der Ukraine richteten sich Proteste; die Demonstranten forderten, die Gelder stattdessen in Krankenhäuser und Bildung zu investieren sowie die Kraftstoffsteuern zu senken.

Zudem gab es in mehr als 20 Städten Kundgebungen gegen einen Gesetzentwurf, der bei Schusswaffengebrauch durch die Polizei eine Vermutung der Rechtmäßigkeit begründen könnte – eine Regelung, die es Kritikern zufolge erschweren würde, Polizeibeamte zur Rechenschaft zu ziehen.

Deutschland: Die Industrie schrumpft, das Militär wächst

In Deutschland gehen Arbeiter und Schüler auf die Straße, während Berlin inmitten einer sich verschärfenden Industriekrise – in deren Verlauf Hunderttausende ihre Existenzgrundlage verlieren und jungen Männern die Einberufung droht – eine hektische militärische Aufrüstung vorantreibt.

Ende September beteiligten sich rund 45.000 Schüler in etwa 100 Städten und Gemeinden an Protesten; sie trugen Transparente mit Aufschriften wie "Wir kämpfen nicht in euren Kriegen" und "Bildung statt Bomben".

Unterdessen treibt die Bundesregierung ihre Pläne voran, die Bundeswehr bis 2035 auf mehr als 260.000 aktive Soldaten und 200.000 Reservisten aufzustocken, um dem Ziel von Bundeskanzler Friedrich Merz zu entsprechen, "Europas stärkste konventionelle Armee" zu schaffen.

Junge Männer sind bereits verpflichtet, sich für einen möglichen Dienst zu registrieren; Politiker drängen jedoch auf eine Rückkehr zur Wehrpflicht, sollte es nicht gelingen, die Reihen durch freiwillige Rekrutierung zu füllen.

Abgesehen von den Tausenden, die auf der Straße gegen solche Pläne protestieren, regt sich auch Widerstand in Form von Anträgen auf Wehrdienstverweigerung. Mehr als 12.000 Menschen beantragten in den ersten acht Monaten dieses Jahres den Status als Kriegsdienstverweigerer – mehr als dreimal so viele wie im gesamten Vorjahr.

Zehntausende Beschäftigte der Automobilindustrie haben zudem gegen massive Stellenstreichungen und die Gefährdung von Standorten protestiert. Volkswagen plant beispielsweise den Abbau von 100.000 Arbeitsplätzen über alle Marken hinweg, während andere Hersteller die Produktion drosseln oder ins Ausland verlagern.

Die Probleme der deutschen Industrie werden durch den Wegfall günstiger russischer Energie, die maßgeblich zur Wettbewerbsfähigkeit der Hersteller beigetragen hatte, noch verschärft. Höhere Energiekosten, US-Zölle und die Konkurrenz aus China setzen die Unternehmen nun unter Druck und gefährden Arbeitsplätze in der gesamten Branche.

Für Rüstungsunternehmen hingegen haben sich die Prioritäten Berlins und der jüngste Verteidigungshaushalt in Höhe von 108,2 Milliarden Euro als geschäftlich vorteilhaft erwiesen. Während die Volkswagen-Aktie seit ihrem Höchststand im Jahr 2021 um mehr als 75 Prozent gefallen ist, ist der Kurs von Rheinmetall seit Anfang 2022 um über 1.100 Prozent in die Höhe geschossen. Ein Volkswagen-Werk soll sogar auf die Produktion von Militärausrüstung für ein israelisches Rüstungsunternehmen umgestellt werden.

Mehr Waffen und mehr Angst

Selbst angesichts brennender Straßen und der Forderungen von Demonstranten nach Entlastung haben sich die europäischen Führungskräfte durch die Unruhen nicht von ihren militärischen Ambitionen abbringen lassen.

In Frankreich nahm Emmanuel Macron die Massendemonstrationen vom Dienstag zum Anlass, einen Test mit einer Atomrakete öffentlich zu machen; er veröffentlichte ein Foto, das ihn mit dem Rücken zur Kamera beim Beobachten des Starts zeigte. Während die Bürger für bessere Lebensbedingungen auf die Straße gingen, lautete seine Botschaft, dass Frankreich "gefürchtet" werden müsse, "um frei zu bleiben".

In Deutschland lächelten und winkten Merz und NATO-Chef Mark Rutte trotz Buhrufen und Sprechchören wie "Mörder" und "Blut an euren Händen", nachdem das Militärbündnis vergangene Woche mit dem Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet worden war. Im Rahmen der Feierlichkeiten priesen die Amtsträger militärische Stärke als Grundlage des Friedens.

Diese Prioritäten spiegeln sich auch in den Haushaltsverhandlungen in Brüssel wider. Deutschland sowie fünf weitere EU-Staaten haben Kürzungen im nächsten EU-Haushalt gefordert und drängen darauf, Gelder für Landwirte und ärmere Regionen zugunsten der stetig wachsenden Militärausgaben zu streichen.

Begründet wird diese Dringlichkeit mit der vermeintlichen Gefahr eines künftigen russischen Angriffs. Moskau hat derartige Pläne jedoch wiederholt dementiert, und selbst der finnische Präsident Alexander Stubb hat eingeräumt, dass seine Geheimdienste keine unmittelbare militärische Bedrohung erkennen.

Dennoch haben für die europäischen Staats- und Regierungschefs die Vorbereitungen auf diesen hypothetischen Konflikt – mit dem sie offenbar fast schon rechnen – weiterhin Vorrang vor den wachsenden Problemen, die die Menschen bereits auf die Straße treiben.

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